Die Internationale Schule für Holocaust-Studien (ISHS)

„Gern wäre ich geflogen – wie ein Schmetterling”

Idee und Redaktion: Shulamit Imber, Dr. Noa Mkayton
Zielgruppe: Schüler/innen des 3. und 4. Schuljahres
Lehrerbegleitheft und Stundenbild für vier Unterrichtsstunden

Zum Konzept der Unterrichtseinheit:
  1. Das Buch handelt von der persönlichen Geschichte von Hannah Gofrith und ihrer Familie. Über das Medium der Familiengeschichte lernt der Leser auf altersgemäße Art und Weise die zentralen Eckpunkte der Geschichte des Holocaust kennen.
  2. Das Buch führt dem Leser die elementaren Konzepte und Grundbegriffe des Holocaust vor Augen, zum Beispiel: Kennzeichnung der Juden mit dem gelben Stern, Ghetto, Vertreibung, Aufstand, Versteck, Gerechte unter den Völkern, Tod und Überleben. Diese Konzepte und Begriffe werden im späteren Geschichtsunterricht in vertiefter Weise behandelt.
    Ziel in dieser Altersgruppe ist es nicht, die Geschichte des Holocaust zu vermitteln, sondern die Schüler mit den elementaren Konzepten, die in der Geschichte Hannah Gofriths enthalten sind, vertraut zu machen.
  3. Das Buch ist in Kapitel aufgeteilt, die die fortlaufende Geschichte von Hannahs Leben erzählen. Jedes Kapitel ist einem eigenen Thema gewidmet. Es ist nicht notwendig, sämtliche Kapitel zu unterrichten, und das Auslassen einzelner Kapitel beeinträchtigt nicht notwendig den kontinuierlichen Erzählfluss. Die Kapitel, die mit der jeweiligen Klasse besprochen werden sollen, sind sorgfältig auszuwählen.
  4. Während der gesamten Geschichte begleitet die erwachsene Figur der Hannah den jungen Leser. Auf diese Weise bleiben die Schüler nicht sich selbstüberlassen, wenn sie die furchtbare Geschichte kennenlernen.
  5. Das Buch erzählt Hannahs Geschichte vor, während und nach dem Holocaust. Damit werden wir der Überzeugung gerecht, dass wir, um das Ausmaß des Verlustes erfassen zu können, vertraut sein müssen mit jüdischem Leben vor dem Holocaust.
Stundenablauf

Stunde 1: Gemeinsame Lektüre (S. 1-13)

1. Kapitel (S. 1-4): Kindheit vor dem Krieg (Farbe: rosa)

Seite 1-2 (Hannah stellt sich vor):

Anmerkung für den Lehrer:

Auf der ersten Seite offenbart Hannah ihre Identität wie auf einer Kennkarte: ihren Namen, den Namen ihrer Eltern, ihren früheren Kosenamen, ihre Geburtsstadt in Polen und die Tatsache, dass während ihrer Kindheit Juden und Polen in der Stadt zusammen lebten. Diese Informationen bilden die Einführung zu dem Buch und gleichsam zu Hannahs Person, die den Leser durch die Geschichte begleitet, sowie den Hintergrund zu der Welt, die Hannah im Krieg verloren hat.

Der Lehrer bittet die Kinder, das Buch auf den Seiten 1-2 zu öffnen, und die beiden Photos zu betrachten. Dabei erzählt er in einer Weise, die die Neugier der Kinder weckt, von Hannah und ihren Eltern Herschel und Sissel Herschkowitz, die ihr Kind bei dem Kosenamen Haneczka riefen. Die Familie lebte in der kleinen polnischen Stadt Biala Rawska, in der damals Juden und Polen zusammen lebten.

Variante/Anmerkung für den Lehrer:

Diese Stunde kann auch mit der Betrachtung und Lektüre der letzten Seite (S. 36) begonnen werden. Hier wird Hannah Gofrith als Großmutter vorgestellt, die in Tel Aviv (Israel) lebt und auf dem Foto mit ihrem Sohn und ihren Enkelkindern zu sehen ist. Dieser Einstieg ist schonender für die Schüler: Sie nehmen die Geschichte von Anfang an in der Gewissheit auf, dass sie ein sicheres und vertrautes Ende hat, von dem aus nun zurück gegangen wird in die Zeit, in der sich die schreckliche Geschichte selbst abspielte.
Der Einstieg in die Geschichte mit der Beschreibung der Vorkriegszeit (S.1-2, siehe oben) bietet dem jungen Leser weniger Schutz, da er weniger Klarheit über den Ausgang der Geschichte hat.
Wer sich für diese Variante entscheidet, setzt die Stunde mit dem oben beschriebenen Einstieg fort.

S.3-4 (Hannahs Kindheit vor dem Krieg):

Wer sich für diese Variante entscheidet, setzt die Stunde fort mit dem Einstieg wie oben beschrieben.

Anmerkung für den Lehrer:

Auf diesen Seiten erfährt der Leser mehr über Hannahs Leben und die polnische Stadt, in der sie vor dem Krieg lebte. Dieser Abschnitt enthält vier wichtige Elemente:

  1. Die Vorkriegswelt
    Hannah wuchs in einer Welt auf, die seit dem Holocaust so nicht mehr existiert. Die Namen der Menschen und Orte, die Hannah in der Geschichte nennt, sind uns heute nicht vertraut, und niemand mehr benutzt sie. Sie bilden ein wesentliches Element: über das Vertrautwerden mit diesen Namen machen wir uns vertraut mit Hannahs Welt, in der diese Namen ein Teil der Sprache der Menschen waren, und beginnen, diese Welt zu respektieren.
  2. Die Stadt
    Durch Hannahs Beschreibung bekommen die Schüler einen Eindruck von der Stadt, so wie Hannah sich an sie erinnert: eine kleine Stadt malerischen Charakters und mit heimeliger Atmosphäre.
  3. Eine gewöhnliche Kindheit
    Die Schüler verstehen, dass Hannah trotz des Etiketts „Überlebende des Holocaust“ bis zu dem Augenblick, in dem der Krieg ausbrach, eine gewöhnliche Kindheit hatte.
  4. Kriegsausbruch und Verlust der Kindheit
    Der letzte Absatz dieses Kapitels ist entscheidend für das Verständnis, dass der Krieg schlagartig die glückliche Kindheit Hannahs und die vieler anderer Überlebender des Holocaust beendete.


Impuls Erwartungshorizont möglicher Antworten
Beschreibt das Kind Hannah Gewöhnlich, begabt (Lieder und Gedichte), glücklich, geliebt
War Hannahs Kindheit der deinen ähnlich? Ähnlichkeiten: Spiele, Lieder, typische Kinderbeschäftigungen
Unterschiede: Als jüdisches Kind unter Nicht-Juden, Leben in einer Minderheit
Wie beschreibt Hannah das Leben in ihrer Stadt? Malerische Kleinstadt mit Fluss und Marktplatz, gemischte jüdische und nicht-jüdische Bevölkerung
Wie beschreibt sie ihr Verhältnis zu den polnischen (nicht-jüdischen) Nachbarn? Das Zusammenleben von Juden und Nicht-Juden bildet einen festen Bestandteil in Hannahs Leben. Ihre beste Freundin Marischa ist Polin.
Wie beschreibt Hannah den Kriegsausbruch? Abruptes Abbrechen der Kindheit, komplette Veränderung ihrer Situation (Erst im Laufe des Buches wird das Ausmaß klar.)

2. Kapitel (S. 5-6): Besetzung der Stadt, Kennzeichnung der Juden mit dem gelben Stern (Farbe: gelb)

Anmerkung für den Lehrer:

Im vorangegangenen Kapitel sagt Hannah, ihre Welt sei zusammengebrochen. Der Kriegsausbruch bedeutete einen Wendepunkt ihrer Kindheit. Diese Beschreibung ist charakteristisch für viele Zeugenberichte Überlebender, die ihre Kindheit im Rückblick aufspalten in ihre „normale“ Kindheit und die Zeit, in der diese durch Verfolgung und Krieg massiv erschüttert und schließlich abgebrochen wurde.
In diesem Kapitel begegnet Hannah erstmals dem Konzept des „Gelben Sterns“, den Hannahs Mutter an ihrem Mantel und dem ihres Mannes – Hannahs Vater – annäht. Hannah stellt neugierige Fragen zu dem Stern, einer ihr bislang unbekannten Realität, erhält aber eine ungeduldige und gereizte Reaktion und im Grunde keine wirkliche Antwort auf ihre Fragen.
Von dem kurzen, angespannten Dialog zwischen Hannah und ihrer Mutter können die Schüler noch nicht die volle Bedeutung und die historischen Hintergründe der Anordnung zur Kennzeichnung der Juden mit dem „Gelben Stern“ ableiten. Dies wird erst im weiteren Verlauf der Lektüre klar werden. An diesem Punkt der Geschichte soll lediglich begriffen werden, dass der „Gelbe Stern“ Spannungen und Verunsicherung verursacht und für Hannah und ihre Familie eine böse Neuigkeit darstellt.
Die Juden werden von Anordnungen und Restriktionen bedrängt, und Hannah ist mit einer neuen, ihr völlig unvertrauten Situation konfrontiert. Sie ist gezwungen, sich in einer komplexen Realität zurechtzufinden, ohne auf all ihre Fragen Antworten zu erhalten. Die Zeichnung am Ende des Kapitels verdeutlicht, dass nun neue, unveränderliche Tatsachen geschaffen wurden, an denen nicht zu rütteln ist. Obwohl wir nicht allzu viel erfahren darüber, was Hannah empfindet, so verstehen wir doch anhand des kurzen Dialogs zwischen ihr und ihrer Mutter, warum nach Hannahs Empfinden ihre Kindheit damals endete.
Gemäß unseres altersangepassten pädagogischen Ansatzes ist die Beschreibung der Atmosphäre, in der das Gespräch über den gelben Stern zwischen Hannah und ihrer Mutter abläuft, ausreichend, um in dieser Altersstufe ein erstes Verständnis zu erreichen. Zusätzliche historische Hintergründe werden in höheren Klassenstufen gegeben.


Impuls Erwartungshorizont möglicher Antworten
Warum reagiert Hannahs Mutter gereizt auf Hannahs Fragen? Angst der Mutter vor Krieg, dem “Gelben Stern“, der Zukunft. Ungewissheit über die exakte Bedeutung der einzelnen Anordnungen, globales Gefühl der Bedrohung.
Ungehaltenheit der Mutter, weil sie spürt, dass sie keine guten Antworten für ihre Tochter hat.

3. Kapitel (S. 7-9): Umsiedlung der Juden ins Ghetto (Farbe: blau)

Anmerkung für den Lehrer:

Dieses Kapitel behandelt das Thema der Ghettos. Drei Gesichtspunkte sind hier von Bedeutung:

  1. Von der Geschichte des Einzelnen zur Geschichte des Holocaust:
    Bis zu diesem Punkt standen Hannah und ihre Familie im Zentrum. Dieses Kapitel weicht in gewisser Weise vom Hauptstrang der Geschichte ab, da Hannahs Familie selbst nicht im Ghetto lebte. Die Abweichung ist also bewusst eingeschaltet, um den Leser auch mit dem Konzept Ghetto vertraut zu machen. Das Leben der Mehrheit der Juden, die ins Ghetto umgesiedelt wurden, wird durch das Schicksal von Hannahs entfernter Familie (Großmutter, Tanten, Onkel und Cousine) illustriert.
  2. Das Thema wird schrittweise eingeführt:
    Zunächst wird erzählt, wie die Juden im Ghetto gezwungen waren, ihr Eigentum weit unter Wert zu verkaufen, etwas später wird erwähnt, dass „viel zu wenig“ Lebensmittel ins Ghetto gelangten, und erst am Ende des Kapitels wird explizit klar, dass Hannahs Mutter Suppe „an die hungernden Familien verteilte.“
    Diese schrittweise Hinführung hilft den Schülern, mit dem Thema Ghetto und den schwierigen Lebensumständen dort besser zurechtzukommen.
  3. Die besondere Stellung von Hannahs Familie bietet einen erweiterten Blick auf das Phänomen Ghetto.
    Der Schüler gewinnt einen Einblick in die schwierigen, und manchmal ungleichen Bedingungen, unter denen Juden im Ghetto lebten, sowie in die gegenseitige Hilfsbereitschaft unter den Juden. Das besondere Schicksal von Hannahs Familie lässt sich durch die allgemeine Geschichte nachvollziehen, und durch die Ausnahmesituation wird die Regel sichtbar.


Impuls Erwartungshorizont möglicher Antworten
Wie beschreibt Hannah die Situation im Ghetto? Verbot, das Ghetto zu verlassen, Hunger, Schwarzmarkt. Ungleiche Bedingungen: Hannahs Familie zunächst bessergestellt, unterstützt konsequent und gewissenhaft die bedürftigen Menschen im Ghetto
Warum musste Hannahs Familie nicht ins Ghetto ziehen? Interesse der Nazis, die handwerkliche Begabung der Näherin für ihre Zwecke auszunutzen, daher Erlaubnis, außerhalb des Ghettos zu wohnen

4. Kapitel (S. 12-13): Hannahs Ausschluss von der Schule (Farbe: grün)

Anmerkung für den Lehrer:

Mit diesem Kapitel rückt wieder Hannahs persönliche Geschichte in den Mittelpunkt des Geschehens. Als Sechsjährige geht sie am ersten Schultag gemeinsam mit ihrer polnischen Freundin Marischa zur Schule, wird aber als Jüdin nicht eingelassen und öffentlich vor allen Kindern auf demütigende Weise abgewiesen.
Das Kapitel enthält vier wichtige Elemente:

  1. Die Bedeutung des “Gelben Sterns“
    Zunächst scheint es, als würde die Geschichte eines gewöhnlichen Schulanfangs einer Erstklässlerin erzählt werden. Bald stellt sich jedoch heraus, dass die Tatsache, dass Hannah jüdisch ist, ihr ein außergewöhnliches Schicksal vorausdiktiert, anders als das ihrer polnischen Freunde, und sie vom Schulbesuch abhält. Auf diese Weise wird die Bedeutung des „Gelben Sterns“, die im vorausgehenden Kapitel noch unklar bleibt, deutlich: Er isoliert und demütigt die Juden. Dies betrifft nicht nur die Gruppe der Juden im Allgemeinen: Diesmal erfährt Hannah eine persönliche Verletzung.
  2. Zuschauer und Mitläufer
    Dieses Kapitel erzählt auch über jene, die als Zuschauer oder Mitläufer Zeugen des Mordes an den Juden wurden. Der Schuldiener, den Hannah schon aus der Zeit vor dem Krieg kennt, hält sie davon ab, die Schule zu betreten. Dies bedeutet einen Vetrauensbruch an Hannah: Nach bisherigen Normen sind es die Erwachsenen, die die Kinder in Schutz nehmen. Hier verletzt der Schuldiener Hannah in aller Öffentlichkeit, und dazu kommt, dass ihre dabei stehenden Freunde sie ignorieren und ihr nicht zur Hilfe kommen.
  3. Rollentausch zwischen Hannah und ihren Eltern
    Hannah schützt ihre Eltern, indem sie ihnen verschweigt, dass der Schuldiener sie abgewiesen hat – vielleicht, um sie nicht zusätzlich zu bedrücken. Während des Holocaust gerieten Kinder in vielen Fällen in die Lage, ihre Eltern schützen und manchmal sogar unterstützen zu müssen. Die natürliche Ordnung, nach der Eltern ihre Kinder schützen und begleiten, war in vielen Fällen verdreht.
  4. Die Erinnerung an den Vater
    Von der zärtlichen, warmen Erinnerung, die Hannah an ihren Vater hat, kann ein wenig Trost abgeleitet werden. Obwohl der Vater, wie aus dem weiteren Verlauf der Geschichte hervorgeht, nicht überlebte, prägt die vor allem von ihm erdachte und durchgeführte, liebevolle Alternative zu dem Unterricht, von dem Hannah so schroff abgewiesen wurde, entscheidend Hannahs Kindheitserinnerungen, vor allem jene an den Vater. Diese begleiten Hannah durch ihr gesamtes Leben und bilden damit den Trost, dass die Nazis zwar Hannahs Vater ermordet haben, Hannahs Erinnerung an ihn aber nicht auslöschen konnten.


Impuls Erwartungshorizont möglicher Antworten
Was fühlt Hannah in dem Moment, als der Schuldiener ihr den Eintritt in die Schule verwehrt? Hannah spürt den Vertrauensbruch. Normverletzung: Statt Schutz erfährt sie Demütigung vor all ihren Freunden durch einen Erwachsenen. Isoliertheit.
Was fühlt Hannah ihrer Freundin Marischa und den anderen Kindern gegenüber? Auch hier Vertrauensbruch: Ihre Erwartungen an ihre Freunde werden enttäuscht.
Warum sagt Hannah ihren Eltern nicht die Wahrheit? Hannah will sie nicht bedrücken. Wieder Normverletzung: Das Kind beschützt die Eltern, nicht umgekehrt.
Worin liegt die Bedeutung von Hannahs Erklärung „Ich weinte nicht!“ Hannah kann bereits im Alter von sechs Jahren kein Kind mehr sein. Plötzliche Frühreife ist ein typisches Phänomen bei Kindern, die während des Holocaust
aufwuchsen. Hannah beschützt ihre Eltern, und sie weint nicht, wenn sie verletzt wird. Gleichzeitig versuchen ihre Eltern, ihrem Kind weiterhin ein „normales“ Umfeld zu bieten: feierlicher, fröhlicher „Schulbeginn“ zu Hause.

Stunde 2: Gemeinsame Lektüre (S. 14-25)

6. Kapitel (S. 14-15): Deportation der Juden der Stadt (Farbe: grau)

Anmerkung für den Lehrer:

In diesem Kapitel wird wieder abgewichen vom Hauptstrang der Geschichte (Hannahs Familie) zur allgemeinen Geschichte der polnischen Juden.
Zwei Gesichtspunkte sind hervorzuheben:

  1. Die Deportation der Juden in das Vernichtungslager Treblinka
    Hannah verliert ihre gesamte entfernte Familie, wobei die polnische Bevölkerung (hier: die Fahrer der Pferdewagen) gleichgültig zusehen und mit den Deutschen kollaborieren.

    Das Kapitel geht jedoch nicht ins Detail, was die Beschreibung der Vernichtungslager und die Ermordung der Juden anbelangt. Dieser Vorgang wird erwähnt, aber nicht vertieft, um die Schüler emotional nicht zu überfordern.
    Manche Lehrer halten es vielleicht für verfrüht, den Massenmord an den Juden zu erwähnen. Sie sollten dann das Kapitelüberspringen und mit dem darauffolgenden Kapitel fortfahren. Anderen Lehrern mag es wichtig erscheinen, ihrer Klasse diese Information zu geben. Wir empfehlen, die Frage, ob dieses schwierige Kapitel in der Klasse gelesen oder übersprungen werden soll, im Voraus gründlich zu erwägen.
  2. Die Erinnerung an die verlorene Welt
    Hannah beschreibt, wie Fotografien der deportierten Juden verstreut auf der Straße vor dem Fotoatelier liegen. In zwei Sätzen wird hier die Frage nach dem Gedenken an den Holocaust und der Erinnerung an die verlorene jüdische Welt vor dem Holocaust aufgeworfen. Hier ist Raum für eine Diskussion mit den Schülern darüber gegeben, wie wir die Erinnerung an die ermordeten Juden, deren Fotografien im Wind verstreut wurden, lebendig erhalten können.


Impuls Erwartungshorizont möglicher Antworten
Was wird Hannah wohl empfinden, als sie ihre beiden Eltern weinen sieht? Ist es normal, die Eltern weinen zu sehen? Schwierig für Kinder, die Eltern weinen zu sehen, und in den meisten Familien unüblich und verbunden mit traumatischen Wendepunkten im Leben der Familie.
Im ersten Kapitel erfahren wir, dass Juden und Polen in Biala Rawska gute nachbarschaftliche Beziehungen hatten. Was wird hier in diesem Kapitel beschrieben? Die polnischen Fahrer der Deportationswagen brachten ihre jüdischen Nachbarn an ein ihnen unbekanntes Ziel. Gleichgültigkeit der Polen dem Schicksal der Juden gegenüber.
Warum erwähnt Hannah die Fotografien aus dem Fotoatelier? Die verstreuten Bilder symbolisieren den Verlust der jüdischen Welt. Das jüdische Volk sollte spurlos vernichtet werden, es sollte kein Grab, kein Denkmal, keine persönlichen Dokumente/Fotografien das jüdische Leben bezeugen.

7. Kapitel (S. 16-19): Flucht und Versteck (Farbe: braun)

Anmerkung für den Lehrer:

Das Kapitel führt zurück zu Hannahs Familiengeschichte.
Es enthält zwei zentrale Aspekte:

  1. Strategie der Imaginationskraft in dramatisch sich verschlechternder Situation
    Bisher war Hannah relativ geborgen und von den Auswirkungen des Holocaust persönlich noch kaum betroffen. Nun verändert sich ihre Situation entscheidend. Obwohl sie noch mit ihren Eltern zusammen sein kann, sind deren Möglichkeiten, ihrer Tochter Schutz zu bieten, sehr begrenzt: Sie sind selbst auf die Hilfe von Fremden angewiesen. Die Lage der Familie verschlimmert sich drastisch.
    Hannah bedient sich einer Strategie, die häufig von Kindern benutzt wird, um mit Stresssituationen zurecht zu kommen: ihrer Phantasie. Versteckt in der Enge des Kartoffelsacks, redet sie sich selbst Mut zu: „Ich bin eine Kartoffel. Sich zu bewegen ist verboten – Kartoffeln bewegen sich nicht. Kein Mucks – Kartoffeln sprechen nicht...“ Obwohl die Situation bedrohlich ernst ist, leitet Hannah aus ihrer Vorstellung die Kraft ab, mit ihrer Angst fertig zu werden.
  2. Zuschauer und Retter
    Es muss deutlich werden, dass die polnische Bevölkerung auf unterschiedliche Weise auf die dramatische Situation der Juden reagierte. Im bisherigen Verlauf der Geschichte konnten die Leser zwei Beispiele dafür kennen lernen, dass die polnischen Nachbarn den Juden nicht zu Hilfe kamen: den Schuldiener und die Fahrer der Pferdewagen.
    Hier lernen wir eine Frau kennen, die hilft, obwohl sie sich dabei selbst in Gefahr bringt. Sie bleibt nicht länger gleichgültiger Zuschauer, sondern bietet ihre Hilfe an, wobei sie sich selbst und ihre eigene Familie gefährdet. Den Schülern muss klar vor Augen geführt werden, dass die Strafe, die der Frau im Fall einer Entdeckung durch die Deutschen bevorsteht, der Tod ist. Ebenso wichtig ist es, den Schülern klar zu machen, dass es nicht viele waren, die während des Holocaust Juden retteten. Jeder Jude jedoch, der während des Holocaust versteckt wurde, erhielt Hilfe durch einen oder mehrere Nicht-Juden, Gerechte unter den Völkern, die sich selbst in Gefahr brachten, um Juden zu helfen.
    (Für weiterführende Informationen bzw. Rettungsgeschichten finden Sie auf unserer Homepage unter „Die Gerechten unter den Völkern“)


Impuls Erwartungshorizont möglicher Antworten
Hannah erzählt, wie sie, am Höhepunkt von Krieg und Verfolgung, von ihrer Mutter ein neues Kleid bekommt, und wie glücklich sie darüber ist. Wie erklärst du dir das? Hannah ist trotz der harten Kriegsrealität noch Kind, das sich über ein neues Kleid freut. Evtl. bietet ihr das Kleid auch die Gelegenheit, für wenige Momente aus ihrem schwierigen Alltagsleben zu fliehen (vgl. Hannahs Tanz auf dem Tisch).
Im bisherigen Verlauf der Geschichte haben wir zwei Beispiele dafür kennen gelernt, dass die polnischen Nachbarn den Juden nicht zu Hilfe kamen: den Schuldiener und die Fahrer der Pferdewagen, auf denen die Juden in den Osten transportiert wurden. In diesem Kapitel erfahren wir, dass es Leute gab, die Hannahs Familie helfen wollten. Was wäre ihnen passiert, wenn die Deutschen sie entdeckt hätten? Obwohl die polnische Frau dies nicht explizit ausdrückt: Auf das Verstecken von Juden stand Todesstrafe.
Was bedeutet es, Juden in einem sozialen Umfeld zu helfen, in dem nicht jeder bereit wäre, so zu handeln? Erfordernisse auf praktischer Ebene: finanzielle Quelle, Netz von zuverlässigen Mithelfern, Fähigkeit zum absoluten Geheimhalten.

Persönliche Anforderung:
Fähigkeit, gegen den Strom zu handeln und Juden zu helfen, wenn die allgemeine Tendenz ist, sich ihnen gegenüber gleichgültig oder abweisend zu verhalten.
Hannah beschreibt, wie sie sich von ihren Eltern trennen musste, um sich in einem Kartoffelsack zu verstecken. Wie ging es ihr in dem Versteck? Wie ging sie mit ihrer Angst um? Hannah bekämpft ihre tiefe Angst, indem sie sich vorstellt, sie sei eine Kartoffel. So übersteht sie die nervenzehrende Zeit in dem Sack, bis sie zu ihren Eltern zurückkehrt.

8. Kapitel (S. 20-23): Trennung vom Vater (Farbe: schwarz)

Anmerkung für den Lehrer:

In ihrer zunehmend sich verschärfenden Situation sieht Hannahs Familie sich gezwungen, sich zu trennen. Das menschliche Dilemma, vor dem die Familie steht, ist die Frage, ob es sinnvoll ist, um jeden Preis zusammenzubleiben, oder ob sich ihre Überlebenschancen erhöhen, wenn sie sich trennen. Hannahs Eltern sind in dieser Frage nicht einer Meinung, am Ende trifft der Vater die Entscheidung, sich von der Familie zu trennen und sich den Partisanen anzuschließen, da gefälschte Papiere nur für zwei Personen zu beschaffen sind.

Drei Aspekte kommen in diesem Kapitel zur Sprache:

  1. Menschliche Dilemmata
    Die Diskussion menschlicher Dilemmata ist ein wesentliches Element beim Unterrichten des Holocaust. Die Bedeutung dieser Diskussionen liegt nicht darin, mit der Klasse zu entscheiden, welche Entscheidung wohl „die Richtige“ wäre. Im Gegenteil, es ist wichtig, die Schüler von jeder Form der Verurteilung abzuhalten. Das Gespräch über Dilemmata soll die Schüler näher an die Personen, deren Geschichte sie kennen lernen, heranbringen und ein tieferes Verständnis für ihr Handeln und schließlich Empathie ermöglichen.
    Je jünger die Schüler, desto mehr Vorsicht ist geboten bei der Diskussion menschlicher Dilemmata in der Klasse. Das Gespräch muss der kognitiven Entwicklungsstufe der Schüler angepasst sein.
  2. Retter
    Die Leser lernen weitere Personen kennen, die bereit sind, eigenes Risiko auf sich zu nehmen, um Hannah und ihrer Familie zu helfen.
  3. Verkehrung der Rollen zwischen Hannah und ihrem Vater
    Hannah versucht, ihren Vater davon zu überzeugen, dass er bei der Familie bleibt. Sie warnt ihn vor den Gefahren, die ihm im Wald bei den Partisanen drohen. Sie möchte ihren Vater schützen.
    Hier liegt ein weiteres Beispiel für die Verkehrung der Rollen zwischen Eltern und Kindern vor, eine für den Holocaust charakteristische Erscheinung (vgl. 4. Kapitel).


Impuls Erwartungshorizont möglicher Antworten
Warum besteht Hannahs Vater darauf, seine Frau und seine Tochter zu verlassen, um sich den Partisanen anzuschließen? - Unsicherheit des Versteckes, täglich wächst die Gefährdung der Familie.
- Schwierigkeit bei der Beschaffung zusätzlicher gefälschter Ausweispapiere für den Vater.
Wie reagiert Hannah auf die Idee des Vaters? Sie versucht ihn davon abzubringen, sorgt sich um ihn, möchte ihn schützen.

9. Kapitel (S. 24-25): Im Versteck in Warschau (Farbe: violett)

Anmerkung für den Lehrer:

Das Kapitel beschreibt das Leben von Hannah und ihrer Mutter im Versteck in der Großstadt Warschau. Zwei wesentliche Aspekte werden herausgestellt:

  1. Die Retter
    Hier wird beschrieben, welchen Preis im Alltagsleben die Familie zu zahlen hatte, die Hannah und ihre Mutter versteckten. Abgesehen von dem permanenten Risiko, entdeckt zu werden und für ihr Tun mit dem Leben bezahlen zu müssen, nehmen sie immense Schwierigkeiten im Alltagsleben auf sich: Sie dürfen niemanden zu sich einladen, ihr Geheimnis mit niemanden teilen, müssen ihre Wohnung und die ohnehin knappen Lebensmittel mit Fremden teilen. Diese radikal veränderten Lebensbedingungen sollten in der Klasse diskutiert werden.
  2. Die Versteckten
    Hannah beschreibt die Schwierigkeit, im Versteck zu leben. Zwei Jahre lang kann sie weder die Sonne sehen noch frische Luft atmen noch sich frei bewegen. Als Gast im Haus eines Fremden hat sie ständig das Gefühl, zu stören oder im Weg zu sein, so dass sie immer mehr verstummt. Zudem muss sie stets auf der Hut sein, wenn unangemeldete Gäste der Familie kommen, um nicht entdeckt zu werden.


Impuls Erwartungshorizont möglicher Antworten
Wie beschreibt Hannah ihr Leben im Versteck? Gefühl des Fremdseins: kaum sprechen, um niemanden zu verärgern; nur lesen, wenn sie alleine mit Mutter ist; viele Einschränkungen; ständige Angst, entdeckt zu werden.
Wie, glaubt ihr, denken die beiden Töchter der Familie Skovronek, über die Tatsache, dass Hannah mit ihrer Mutter bei ihnen lebt? Einerseits: Schwierigkeit, Fremde bei sich zuhause aufzunehmen, keine Freunde einzuladen, Raum, Lebensmittel, Bücher usw. zu teilen.
Andererseits: Wissen, dass sie und ihre Familie etwas sehr Wichtiges, Bedeutendes tun und Menschenleben retten.
(Hinweis des Lehrers auf das folgende Kapitel, in dem sich klären wird, in welche Richtung die beiden Mädchen mehr tendieren.)

Stunde 3: Gemeinsame Lektüre (S. 26-36)
11. Kapitel (S. 28-29): Das Versteck im Versteck (Farbe: braun)

Anmerkung für den Lehrer:

  1. Bedrängnis und Schwierigkeiten des Lebens im Versteck
    Hannah beschreibt, wie sie und ihre Mutter gezwungen waren, sich im Kleiderschrank, und in einem Fall sogar im Kohlenkasten zu verbergen, wenn Gäste zu Besuch kamen. In der Enge und Dunkelheit des Verstecks benutzt Hannah wieder ihre Imaginationskraft, um mit der bedrängten Situation fertig zu werden. Aus ihren Phantasieträumen können wir verstehen, wie sehr Hannah die Natur und frische Luft vermisst.
  2. Die Retter
    In diesem Kapitel wird deutlich, dass die beiden Töchter der Familie Skovronek die Werte ihrer Eltern übernommen haben. Die Tochter Hanka „erfindet“ in einer plötzlichen Gefahrensituation ein Versteck im Versteck und rettet so Hannah und ihrer Mutter das Leben.

Impuls Erwartungshorizont möglicher Antworten
Hannah beschreibt hier zum zweiten Mal, wie sie in ihrer Phantasie aus der Realität flieht. Was bedeutet es, dass sie in ihrer Vorstellung als Elfe durch einen Blumenwald spaziert? Hannah vermisst die Natur, die frische Luft, die freie Bewegung draußen.
Im vorigen Kapitel haben wir vermutet, die Töchter der Familie Skovronek hätten gemischte Gefühle Hannah und ihrer Mutter gegenüber. Was zeigt uns dieses Kapitel? Wie steht Hanka Skovronek zu den jüdischen Flüchtlingen? Hanka Skovronek fühlt sich mit verantwortlich für Hannah und ihre Mutter und schafft – mit dem Wissen ihrer Familie – einen zusätzlichen Versteckplatz auf dem Dach für sie. Daraus wird klar, dass Hanka die Werte ihrer Eltern teilt und bereit ist, ihr Leben dafür einzusetzen.

12. Kapitel (S. 30-31): Das Kriegsende (Farbe: olivgrün)

Anmerkung für den Lehrer:

  1. Das Kriegsende
    Den ganzen Krieg hindurch hatten Hannah und ihre Mutter den Augenblick des Kriegsendes und ihrer Befreiung herbeigesehnt. Sie kehren in ihre Heimatstadt Biala Rawska zurück, in der Hoffnung, dort den Vater, Verwandte und Freunde wiederzufinden. Aber als sie dort ankommen, begreifen sie das Ausmaß des Verlustes: Der Vater hat den Krieg nicht überlebt, sämtliche Verwandte wurden ermordet, und nur wenige ehemalige jüdische Einwohner der Stadt sind zurückgekommen. Ihr gesamter Besitz wurde gestohlen, und die Beziehungen zur polnischen Bevölkerung sind vollends zusammengebrochen.
    Im Unterrichtsgespräch sollte hervorgehoben werden, dass das so lange ersehnte Kriegsende schließlich nicht Freude und Erleichterung, sondern zunächst die niederdrückende Erkenntnis brachte, dass die Überlebenden ihre gesamte frühere Lebenswelt verloren hatten.
    Trotz allem geben Hannah und ihre Mutter nicht auf und versuchen, ihren Platz in der Welt zu finden.
  2. Neuorientierung
    Hannah und ihre Mutter erkennen nach einem kurzen Aufenthalt in ihrer ehemaligen Heimatstadt, dass für sie dort kein Platz mehr ist. Sie verlassen die Stadt und suchen eine neue Bleibe.

Impuls Erwartungshorizont möglicher Antworten
Wie, glaubt ihr, fühlen sich Hannah und ihre Mutter nach dem Kriegsende, als sie in ihre Heimatstadt Biala Rawska zurückkehren? - tiefe Traurigkeit über das Ausmaß des Verlustes (Verlust des Vaters, Entfremdung von der Freundin, von der ehemals vertrauten Umgebung)
- Fremdheit in der eigenen Heimatstadt
- Versuch eines Neuanfangs

13. Kapitel (S. 32-33): Rückkehr ins Leben (Farbe: gelb)

Anmerkung für den Lehrer:

  1. Zionismus
    Hannah und ihre Mutter versuchen, ihr Leben wieder aufzubauen und beginnen von Neuem, nun mit versteckter Identität als Christen und in einer anderen Stadt. Aber Hannah beginnt, ihre jüdische Identität zu spüren und unter ihrem falschen Leben zu leiden. Sie schließt sich einer zionistischen Jugendbewegung an. Der Zionismus gibt ihrem Leben eine neue Zielrichtung.
  2. Gründung einer neuen Familie
    Hannahs Mutter heiratet zum zweiten Mal, Hannah bekommt einen Bruder.

Impuls Erwartungshorizont möglicher Antworten
Was empfindet Hannah, als sie die Geschichte der biblischen Hannah und ihrer sieben Söhne hört? (Die Geschichte kann nachgelesen werden im Buch Samuel, 1) Sie identifiziert sich mit der biblischen Hannah, fühlt sich mit ihrer jüdischen Herkunft verbunden und möchte ihr Jüdischsein in Israel leben. Sie legt die polnische Koseform ihres Namens ab und ändert ihren Namen von Haneczka in Hannah.

14. Kapitel (S. 34-36): Epilog (Farbe: blau)

Anmerkung für den Lehrer:

Hannah erzählt in Kürze über den weiteren Verlauf ihres Lebens nach ihrer Ankunft in Israel: Sie erlernte einen Beruf, den sie noch immer ausübt, heiratete und bekam einen Sohn und später Enkelkinder.
In diesem kurzen Kapitel werden auch die Skovroneks erwähnt und die Tatsache, dass ihnen zu Ehren als „Gerechte unter den Völkern“ ein Baum in Yad Vashem gepflanzt wurde. Dieses Detail ist außerordentlich wichtig – es bedeutet eine besondere Würdigung der Familie, der Hannah und ihre Mutter ihr Überleben verdanken. Dass die Familie Skovronek hier in diesem kurzen Kapitel erwähnt und mit Fotos dargestellt wird, bezeugt die tiefe Dankbarkeit, die Hannah ihr gegenüber empfindet.


Frage Erwartungshorizont möglicher Antworten
Warum erzählt Hannah uns in diesem letzten Kapitel nicht nur über ihre Ankunft in Israel, sondern auch über die Familie Skovronek? - Betonung der zentralen Bedeutung der Familie Skovronek in Hannahs Biografie.
- Hannahs Dankbarkeit.

Stunde 4: Kreatives Arbeiten und Abschlussdiskussion

Diese Unterrichtseinheit bietet eine Zusammenfassung des Buches. Hauptanliegen ist es, den Schülern Gelegenheit zu geben, sich selbst auf kreative Weise auszudrücken und den Eindrücken Raum zu geben, die sie während der Begegnung mit Hannahs Geschichte gesammelt haben.
Die Zeit sollte zu gleichen Teilen wie folgt eingeteilt werden:

  1. Teil: kreatives Arbeiten
  2. Teil: Diskussion

Im Klassenraum sollte während der ersten Stundenhälfte eine ruhige, entspannte Atmoshäre herrschen, die eventuell durch passend gewählte Hintergrundmusik gefördert werden kann, zu der die Schüler in unabhängigen Gruppen arbeiten.

1. Teil: Kreatives Arbeiten (Einzel- oder Gruppenarbeit)

Der Klassenraum ist im Voraus vorzubereiten: Der Lehrer richtet verschiedene Ecken mit Arbeitsmaterialien ein (Farben, Stifte, farbiges Papier, Schere, Klebstoff, Zeitungsausschnitte).
Die Schüler wählen einen der drei folgenden Arbeitsaufträge und verteilen sich auf die Arbeitsecken.

  1. Einen Brief an Hannah Gofrith schreiben (Anschrift auf S. 36)
  2. Ein Bild oder eine Collage anfertigen, die die eigenen Gefühle nach der Buchlektüre zum Ausdruck bringt. Der Lehrer sollte den Schülern vorschlagen, sich auf ein einzelnes Ereignis zu konzentrieren, das sie besonders berührt hat.
  3. Die Fotos „sammeln“, die in Kapitel 6, wo über die Deportation der Juden berichtet wird, in alle Winde verstreut wurden (S. 15). Hier erschaffen die Kinder aus ihrer eigenen Vorstellung die verlorenen gegangenen Bilder und errichten damit den Menschen, von denen keine Spuren geblieben sind, ein Denkmal.
    Die Bilder können von den Schülern gezeichnet werden. Eine andere Möglichkeit ist es, ihnen Rohmaterial an die Hand zu geben: Fotografien von Familien und/oder Kindern, die u.a. auf der Website von Yad Vashem (Foto-Archiv) zu finden sind. (www.yadvashem.org)
2. Teil: Diskussion

Die Schüler verteilen ihre Briefe, Bilder und Collagenüber den Raum, so dass es für jeden möglich ist, die Werke der anderen zu betrachten. Jeder Schüler wählt sich ein Werk aus und überlegt sich eine Frage, die er dazu stellen möchte.
Zusätzlich regt der Lehrer das Gespräch über die Arbeiten der Kinder an, indem er Fragen zu dem kreativen Prozess stellt, wie: „Warum hast du diese Farben gewählt?“, „Warum hast du dir gerade dieses Ereignis ausgesucht?“, „Inwiefern bringt dein Brief/deine Zeichnung deine Gefühle zum Ausdruck?“ usw.

Die Schüler sollen auch dazu angeregt werden, sich gegenseitig Fragen zu stellen bzw. Vergleiche zwischen den Arbeiten zu ziehen, z.B. „Ich sehe, dass ihr beiden das selbe Thema gewählt habt – aber es hat ganz unterschiedliche Gefühle in euch hervorgebracht“ usw.
Das Gespräch sollte auch auf die „eingesammelten“ Fotos gelenkt werden, die in der dritten Arbeitsecke entstanden sind. Die Schüler können Objekte und besondere Attribute in Augenschein nehmen, die die Figuren auf den Fotos/Bildern bei sich haben, den Hintergrund des Fotos/Bildes analysieren, zusätzlich auf dem Foto/Bild abgebildete Personen betrachten und über ihr Verhältnis untereinander spekulieren. Von hier aus könnenִÄhnlichkeiten und Unterschiede zwischen Hannahs Foto im ersten Kapitel (S. 2), den „wieder hergestellten“ Fotos ihrer damaligen jüdischen Freunde und den Schülern selbst festgestellt werden.

Am Ende der Stunde kann das entstandene Material eingesammelt und für eine kleine Ausstellung oder Gedenkzeremonie der Klasse am Holocaustgedenktag verwendet werden. Ebenso kann das Material an Hannah Gofrith gesandt werden, deren Adresse auf S. 36 angegeben ist.



Über Ihre Rückmeldungen würden wir uns freuen, bitte wenden Sie sich diesbezüglich an
germany.education@yadvashem.org.il.