Die Internationale Schule für Holocaust-Studien (ISHS)

Ausstellung 50. Jahrestag des Eichmann-Prozesses in Jerusalem

Weiterführenden Materialien für Lehrerinnen und Lehrer

Von Franziska Reiniger und Anna Stocker



Diese weiterführenden Materialien wurden zur Online Ausstellung zum Eichmannprozess entwickelt. Weitere Informationen zum Hintergrund des Prozesses finden Sie hier.


Diskussionsvorschlag für Lerngruppen

  • Die Bedeutung der Festnahme und des Prozess gegen Adolf Eichmanns für den Israelischen Staat.

Im Folgenden sollen vor allem noch zu zwei Themenkomplexen vertiefende Materialien gegeben werden: Zur „Medienfigur Eichmann“ und zum Umgang mit der Shoah in Israel, der sich nach dem Eichmannprozess verändert hat.


Zur „Medienfigur Eichmann gibt es viele Bücher, Filme und Artikel und trotzdem sind die Deutungen von Eichmanns Person noch immer ambivalent. Während die einen ihn als Bürokrat betrachten, sehen die anderen in ihm den überzeugten Nationalsozialisten und Massenmörder. Zu den unterschiedlichen Darstellungen über Eichmann können Sie hier einen Artikel von Tobias Ebbrecht lesen, der unter anderem darauf hinweist, wie wichtig es ist kritisch, mit den historischen Quellen zu Eichmann umzugehen.

Diskussionsvorschläge für Lerngruppen

  • Die Schwierigkeiten beim Umgang mit der „Medienfigur Eichmanns“.
  • Unterschiedlichkeit der Quellen, die es von und über Eichmann gibt.

Mit dem Eichmann-Prozess veränderte sich der Umgang der israelischen Gesellschaft mit der Shoah. Gabriel Bach, einer der anklagenden Staatsanwälte im Eichmann-Prozess beschreibt in einem Interview, dass eines der Ziele des Prozesses war, der jungen israelischen Gesellschaft zu zeigen, dass sie sich nicht wegen der NS-Vergangenheit zu „schämen“ brauche. Damit wollte man gegen den unter anderem von Hannah Arendt formulierten und von vielen Israelis geteilten Vorwurf angehen, dass die Jüdinnen und Juden sich während der NS-Verfolgung „wie Schafe zur Schlachtbank“ hätten führen lassen.[1]

In den ersten Jahren des Staates Israel wurde den Überlebenden nicht viel Gehör geschenkt. Dies änderte sich mit dem Eichmann-Prozess. Im Laufe des Prozesses ging es weniger um die Person Eichmanns als vielmehr um die 110 Zeitzeugen, die meistens zum ersten Mal ihre Erfahrungen während der Shoah öffentlich erzählen konnten. Einer der Zeugen im Prozess, Mickey Goldman, beschrieb während des Prozesses eindrücklich seine Schwierigkeit, in Israel über seine traumatischen Erfahrungen zu sprechen. Er erzählte von 80 Schlägen, die er im Przemysl Lager bekommen und die er nur durch Glück überlebt hatte. Als er nach dem Krieg nach Israel kam, hat man ihm diese Geschichte nicht geglaubt. Dies bezeichnete er als den 81. Schlag, der ihn noch mehr getroffen habe, als die 80 Schläge, die er im Przemysl Lager erleiden musste.

Diskussionsvorschläge für Lerngruppen

  • Die Veränderung des Umgangs der israelischen Gesellschaft mit der Shoah.
  • Die Bedeutung des Eichmann-Prozesses für die Zeitzeugen in Israel.

Weitere Literatur zu diesem Thema:

  • Hier können Sie eine Rezension zu den Büchern "Eichmann war von empörender Dummheit" von Hannah Arendt und Joachim Fest und "Eichmann vor Jerusalem. Das unbehelligte Leben eines Massenmörders" von Bettina Stangneth lesen. Beide Bücher behandeln den Eichmannprozess.
  • Im Folgenden können Sie eine Rezension des Buches "Operation Last Chance. Im Fadenkreuz des 'Nazi-Jägers'" von Ephraim Zuroff lesen. Ephraim Zuroff ist Leiter des Simon Wiesenthal Zentrums in Jerusalem.
  • Hier können Sie einen Artikel von Uriel Kashi zum Umgang der israelischen Gesellschaft mit der Shoah lesen.
  • Viele der verlinkten Artikel sind dem Online-Newsletter des Deutschen Desk von Yad Vashem entnommen, den Sie hier einsehen können.

Über Ihre Rückmeldungen würden wir uns freuen, bitte wenden Sie sich diesbezüglich an germany.education@yadvashem.org.il.


[1] Peter Longerich: Holocaust. In: Wilhelm Heitmeyer/ John Hagan: Internationales Handbuch der Gewaltforschung. Wiesbaden 2002, S.193.