Die Internationale Schule für Holocaust-Studien (ISHS)

Ausstellung Lichtflecke – Frau sein im Holocaust

Weiterführenden Materialien für Lehrerinnen und Lehrer

Von Franziska Reiniger und Anna Stocker


Einleitung

„Der zukünftige Historiker wird der Rolle der jüdischen Frau im Krieg [viel Aufmerksamkeit] widmen müssen. Sie wird einen wichtigen Platz in der jüdischen Geschichte für ihren Mut und ihre Standhaftigkeit einnehmen. Durch ihren Verdienst, haben Tausende von Familien es geschafft, den Terror der Zeit zu überwinden.“[1]

Die folgenden Materialien wurden als Weiterführung zur Online Ausstellung zum Thema Frauen während des Holocaust entwickelt. Sie können dazu dienen, sich intensiver mit speziellen Aspekten des Schicksals jüdischer Frauen während des Holocaust auseinanderzusetzen. Mehr als zwei Millionen jüdische Frauen und Mädchen wurden im Holocaust ermordet. Die nationalsozialistische Ideologie verfolgte die Vernichtung aller Jüdinnen und Juden ohne Ausnahme. Jüdische Frauen stellten, als potenzielle Trägerinnen neuer Generationen, darüber hinaus die Zukunft für die jüdische Nation und somit einen Schwerpunkt innerhalb der Verfolgungspolitik dar.
Die Reaktion von jüdischen Frauen auf die Vernichtungspolitik wurde in der Ausstellung in verschiedene Themen eingeteilt, in deren Zentrum die Biographien einzelner Frauen stehen.

Themenliste

Liebe

Trotz der schwierigen Situation verliebten sich Frauen und Männer zu Zeiten des Holocaust ineinander und versuchten, ihre Liebe aufrechtzuhalten. In diesem Themenbereich geht es um die Liebesgeschichten zwischen jüdischen Frauen und Männern.

Biographien

Hier kann die Biographie und Liebesgeschichte von Marta Byk gelesen werden

Hier kann die Biographie und Liebesgeschichte von Krysia Kucynski gelesen werden

Weiterführende Materialien

  • Der Film „Dir in Liebe gedenken“ - Die Geschichte des Owadjah Baruch stellt die Geschichte des Owadjah Baruch dar, der im März 1943 gemeinsam mit seiner Familie von Griechenland nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Unmittelbar bei der Ankunft wurde seine gesamte Familie in die Gaskammer geschickt. Owadjah kämpfte um sein Überleben, bis er im Mai 1945 im Konzentrationslager Mauthausen befreit wurde. In Auschwitz traf Owadjah Alisa Zarfati, eine junge jüdische Frau aus seiner Heimatstadt. Trotz der unmenschlichen Bedingungen entspann sich eine Liebesbeziehung zwischen den beiden. Der Film beschreibt ihre ungewöhnliche, berührende Liebes- und Überlebensgeschichte in Auschwitz, ihre unglaubliche Begegnung nach dem Holocaust und das Leben in Israel, das sie sich gemeinsam aufbauten.
    Ein Ausschnitt aus dem Film kann hier angesehen werden.

Diskussionsvorschläge für Lerngruppen

  • Die Bedeutung und Gründe für das Eingehen von Liebesbeziehungen während des Holocaust
  • Die Schwierigkeit eine Liebesbeziehung zur Zeit des Holocaust aufrechtzuhalten

Muttersein

Schwangere Frauen, Mütter und Kinder waren zur Zeit des Holocaust oft die ersten Opfer der Vernichtung der Nazis. Deshalb waren diese Frauen mit enormen Schwierigkeiten und Dilemmata konfrontiert, wie sie ihre Kinder schützen, sie verstecken und ihnen Liebe, Nahrung und Bildung zukommen lassen könnten.

Biographien

Hier kann die Biographie von Genia Judzki gelesen werden.

Hier kann die Biographie von Catharina Frank gelesen werden.

Diskussionsvorschläge für Lerngruppen

  • Dilemmata, mit denen Mütter konfrontiert wurden
  • Schwierigkeiten und Ängste, die mit dem Weggeben von Kindern verbunden waren und der Umgang der Frauen mit diesen

Für andere sorgen

In diesem Themenbereich geht es um die Solidarität jüdischer Frauen. Trotz des isolierten Überlebenskampfes der einzelnen Personen existierten zwischenmenschliche Solidarität, gegenseitiger Hilfe und Unterstützung.

Biographie

Hier kann die Biographie von Stefania Wilczynska gelesen werden, die sich während des Holocaust entschied, bei ihren Waisenkindern im Warschauer Ghetto zu bleiben und mit ihnen deportiert zu werden.

Weiterführende Literatur

  • Hier können Sie mehr zu Stefania Wilczynskaund Janusz Korczakund über ihre Arbeit mit den Waisenkindern im Ghetto Warschau lesen.
  • Betty Jean Lifton: Der König der Kinder. Das Leben von Janusz Korczak. Wilhelm Heyne Verlag, München 1995.
  • Shimon Sachs: Stefa. Stefania Wilczynskas pädagogische Alltagsarbeit im Waisenhaus Janusz Korczaks. Juvenat Verlag, Weinheim und München 1989.
  • Silvia Ungermann: Die Pädagogik Janusz Korczaks. Theoretische Grundlegung und praktische Verwirklichung. 1896-1942. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2006.

Diskussionsvorschläge für Lerngruppen

  • Janusz Korczaks „Pädagogik der Achtung“ und Recherche zu Stefania Wilczynskas Beitrag zum pädagogischen Ansatz Korczaks
  • Situation von Waisenkindern während des Holocaust
  • Innerjüdische Hilfe und Solidarität
  • Jüdische Kinderfürsorge während des Holocaust

Weiblichkeit

Im Folgenden geht es um das Thema Weiblichkeit und um deren Bedeutung für Frauen im Überlebenskampf während des Holocaust.

Biographien

Hier kann die Biographie von Helen Ryba gelesen werden.

Hier kann die Biographie von Lina Beresin gelesen werden.

Hier kann die Biographie von Margot Fink gelesen werden

Diskussionsvorschläge für Lerngruppen

  • Die Bedeutung der Bewahrung von Weiblichkeit für die Häftlinge
  • Die Schwierigkeiten im Kampf um den Erhalt von Weiblichkeit

Partisanen und Untergrund

Dieser Themenbereich behandelt jüdische Frauen in Partisanen- und Untergrundgruppen. Frauen leisteten aktiven Widerstand, obwohl es für sie oftmals schwieriger war, überhaupt in einer überwiegend männlich dominierten Gruppe akzeptiert zu werden.

Biographien

Hier kann die Biographie von Mirjam Waterman und ihre Erfahrungen im Widerstand während des Holocaust gelesen werden.

Hier kann die Biographie von Fanny Solomian und ihre Erfahrungen in einer Partisanengruppe während des Holocaust gelesen werden.

Weiterführende Literatur

  • Hier finden Sie einen englischsprachigen Artikel über die Frauenkuriere, die Widerstand leisteten und sich in Gefahr brachten, um die jüdischen Gemeinden und Ghettos im von Nazis besetzten Gebiet zu vernetzen und mit lebenswichtigen Informationen, Dokumenten, Geld und Waffen zu versorgen.
  • Ingrid Strobl: Die Angst kam erst danach: Jüdische Frauen im Widerstand 1939-1945: Jüdische Frauen im Widerstand in Europa 1939-1945. Fischer Taschenbuch Verlag; Auflage: 3 (27. Juli 2005).

Diskussionsvorschläge für Lerngruppen

  • Schwierigkeiten, die mit Widerstandsaktionen verbunden waren
  • Geschlechterspezifische Rollen und ihre Wandlung unter NS-Verfolgung
  • Unterschiedliche Arten von Widerstand

Alltagsleben

Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit dem Versuch von Frauen, ihren Alltag während der Verfolgung und in der Realität des Holocaust zu bewältigen.

Biographie

Hier kann die Biographie von Regina Honigman gelesen werden.

Weiterführende Literatur

  • Marion Kaplan: Der Mut zum Überleben. Jüdische Frauen und ihre Familien in Nazideutschland. Aufbau Verlag, Berlin 2001.

Diskussionsvorschlag für Lerngruppen

  • Strategien von jüdischen Frauen zur Bewältigung des Alltags während der NS-Verfolgung

Freundschaft

Dieser Themenbereich behandelt Freundschaft zwischen jüdischen Frauen zur Zeit des Holocaust.

Biographie

Hier kann die Biographie von Lili Kasticher gelesen werden.

Weiterführende Literatur

  • Hannelore Brenner-Wanschick: Die Mädchen von Zimmer 28: Freundschaft, Hoffnung und Überleben in Theresienstadt, Aufbau Verlag, Auflage: 1 (22. Januar 2008).

Diskussionsvorschlag für Lerngruppen

  • Die Bedeutung von Freundschaft für die Häftlinge in Konzentrations- und Vernichtungslagern

Glaube

Dieser Themenbereich behandelt den Umgang von Frauen mit ihrem jüdischen Glauben zur Zeit des Holocaust.

Biographien

Hier kann die Biographie von Dita Kurschner gelesen werden.

Hier kann die Biographie von Livia Koralek gelesen werden.

Weiterführende Literatur

  • Hier finden Sie einen englischsprachigen Artikel über die deutsche Rabbinerin Regina Jonas, die den Häftlingen in Theresienstadt durch spirituelle Leitung und Unterstützung half und sie durch Vorlesungen über religiöse Themen, jüdische Frauen in der Geschichte, den jüdischen Glauben, Ethik und Feiertage von der Realität im Ghetto ablenkte und geistig forderte.
  • Fräulein Rabbiner Jonas. Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden? Eine Streitschrift von Regina Jonas. Ediert – kommentiert – eingeleitet von Elisa Klapheck. Mit einem Vorwort von Hermann Simon. Hentrich & Hentrich, Teetz 1999.

Diskussionsvorschläge für Lerngruppen

  • Religion als Quelle spiritueller Kraft während des Holocaust
  • Umgang von jüdischen Frauen mit ihrem Glauben

Essen

Eines der größten Probleme dem Jüdinnen und Juden während des Holocaust ausgesetzt waren, war Hunger. Im Folgenden werden drei Frauen und ihr Versuch vorgestellt, mit diesem Problem umzugehen.

Biographien

Hier kann die Biographie von Valy Kohn eingesehen werden.

Hier kann die Biographie von Trude Kassowitz gelesen werden.

Hier kann die Biographie von Yehudit Aufrichtig und ihre Reaktion auf die vorherrschende Unterernährung gelesen werden.

Weiterführende Literatur

  • Rochelle G. Saidel: The Jewish Women of Ravensbrück Concentration Camp. University of Wisconsin Press. 2004.
  • Eine englischsprachige Buchrezension zum Buch ist hier zu finden.

Diskussionsvorschläge für Lerngruppen

  • Hunger und die zwanghafte Beschäftigung mit Essen
  • Strategien im Umgang mit Hunger und deren Risiken
  • Gegenseitige Solidarität und Lebenswille
  • Widerstand

Kreativität

Dieser Themenbereich behandelt die Bedeutung von Kreativität für jüdische Frauen zur Zeit des Holocaust.

Biographien

Hier kann die Biographie der Schauspielerin Vava Schoenova gelesen werden.

Hier kann die Biographie der Schriftstellerin Selma Meerbaum-Eisinger gelesen werden.

Anita Lasker-Wallfisch

Anhand der Biographie von Anita Lasker-Wallfisch kann über das Auschwitzer Frauenorchester gelesen werden. Lasker-Wallfisch (geb. 1925) kam in Breslau zur Welt und erlebte in ihrer Kindheit die ersten Jahre der nationalsozialistischen Judenverfolgung. Sie wuchs in einer gut bürgerlichen, gebildeten, assimilierten Familie auf. Nachdem ihre Eltern deportiert wurden, musste sie mit ihrer Schwester Zwangsarbeit verrichten. In dieser Zeit als Arbeiterin in einer Papierfabrik half sie, Dokumente der französischen Kriegsgefangenen zu fälschen, um diesen zur Flucht zu verhelfen. Ein eigener Fluchtversuch nach Frankreich mit ihrer Schwester schlug jedoch fehl. Beide wurden festgenommen, für eineinhalb Jahre im Gefängnis festgehalten und anschließend 1943 nach Auschwitz deportiert. Dort traf Lasker-Wallfisch auf Alma Rosé (geb. 1906). Diese war nach diversen Fluchtversuchen nach Auschwitz verschleppt worden, wo sie zur Leiterin des Frauenorchesters ernannt worden. Rosé gelang es dank ihrer exzellenten Ausbildung zur Violonistin, aus einer Gruppe von überwiegend Laienmusikern ein Ensemble zu formen, dessen musikalische Leistungen von der deutschen KZ-Führung durchaus gewürdigt wurden. Das Überleben der Mehrheit dieser jungen Frauen war wohl dem Umstand zuzuschreiben, dass sie Orchestermitglieder waren. Auch Lasker-Wallfisch wurde als Cellistin ins Orchester aufgenommen. Rosé erlebte das Kriegsende und die Befreiung des Lagers nicht. Lasker-Wallfisch überlebte und sagte später als Zeugin im Bergen-Belsen-Prozess aus. Sie lebt heute mit ihrem Mann in London und gibt Vorträge zum Thema Holocaust.

Weiterführende Literatur

  • Hier finden Sie einen englischsprachigen Artikel über die österreichisch-jüdische Künstlerin Friedl Dicker-Brandeis, die sich den Kindern in Theresienstadt durch Kunstunterricht widmete. Durch Kunst versuchte sie, den Kindern über ihre Traumata und die schwierigen Erfahrungen im Ghetto zu helfen. Dabei versuchte sie die Kinder weniger in technischen Dingen zu unterrichten, als vielmehr ihre Phantasie und Kreativität zu stimulieren.
  • Elena Makarova: Friedl Dicker-Brandeis. Ein Leben für Kunst und Lehre. Verlag Christian Brandstaetter, Wien, München 1999.
  • Selma Meerbaum-Eisinger: Ich bin in Sehnsucht eingehüllt: Gedichte. Hoffmann und Campe, Hamburg 2008.
  • Anita Lasker-Wallfisch: Ihr sollt die Wahrheit erben. Die Cellistin von Auschwitz. Erinnerungen, Reinbek bei Hamburg 1997.
  • Anita Lasker-Wallfisch: Ohne sie hätte niemand von uns überlebt – Erinnerung an Alma Rosé, in: Richard Newman: Alma Rosé. Wien 1906 – Auschwitz 1944, Bonn 2003.
  • Richard Newman: Alma Rosé. Wien 1906–Auschwitz 1944, Berlin 2005.

Diskussionsvorschläge für Lerngruppen

  • Widerstand und Illegalität
  • Innerjüdische Hilfe und Solidarität
  • Musik, Literatur und Kunst als Überlebensstrategie, als Ausdruck von Hoffnung und Lebenswille und als Verarbeitung von Traumata
  • Handeln ohne echte Handlungsoptionen

[1] Emanuel Ringelblum: Ksovim fun geto. 2 vols. Tel Aviv, 1985 (Übersetzung aus dem Englischen: Franziska Reiniger).