Über den Holocaust

Die Durchführung der „Endlösung“

Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

Birkenau, Polen, 27. Mai 1944 – Eine Selektion an der Rampe Birkenau, Polen, 27. Mai 1944 – Eine Selektion an der Rampe
Bildergalerie

Rudolf Höss, der Kommandant des Lagers Auschwitz-Birkenau, schrieb in seiner Autobiographie, dass er im Jahr 1941 (er gibt kein genaues Datum an) nach Berlin gerufen wurde, wo ihm Himmler mitteilte, dass Hitler befohlen hatte, die „Judenfrage“ endgültig zu lösen, und dass die SS diesen Befehl ausführen sollte. Himmler sagte: “Die bestehenden Vernichtungsstellen im Osten sind nicht in der Lage, die beabsichtigten großen Aktionen durchzuführen. Ich habe daher Auschwitz dafür bestimmt.“

Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau war das größte Lager, das auf polnischem Boden errichtet wurde, und es diente sowohl als Arbeits- und Konzentrationslager als auch als Vernichtungslager. Auschwitz war dazu bestimmt, das zentrale Lager für die Vernichtung des jüdischen Volkes zu sein, und es wurden dort mehrere Gaskammern und Krematorien errichtet. Die Vernichtung wurde mittels des Gases Zyklon B durchgeführt, das zuvor an sowjetischen Kriegsgefangenen getestet worden war.

Im Oktober 1941 wurde ein weiteres Lager – Birkenau (Auschwitz II) drei Kilometer von Auschwitz entfernt errichtet, und im März 1942 begann die Vernichtung im neuen Lager. Es gab dort vier Gaskammern und bis zum November 1944 war das Lager eine „Fabrik“ des Massenmordes, in dem Transporte aus ganz  Europa ankamen. Der Großteil der Deportierten waren Juden, und sie wurden sofort in die Gaskammern geschickt. Nur ein kleiner Teil der Ankommenden überstand die Selektion und wurde zur Zwangsarbeit im Lager selbst und in Rüstungsfabriken in Nebenlagern geschickt. Andere wurden zu Versuchskaninchen in den „medizinischen“ Experimenten von Dr. Mengele und seinem Team. Im Frühling und Sommer 1944, als die Juden Ungarns und des Ghettos Lodz ins Lager gebracht wurden, wurde das Tempo der Vernichtung angezogen.

Der Vorgang der Selektion und des Mordes war gut geplant und organisiert. Wenn ein Zug an der Rampe hielt, mussten die Opfer aussteigen und ihre Gegenstände wurden in mehreren Baracken, deren Bereich als „Kanada“ bezeichnet wurde, gesammelt. Die Angekommenen wurden in zwei Reihen aufgestellt – Männer und Jungen in der einen, Frauen und Kinder in der anderen Reihe – und die SS-Ärzte führten die Selektion durch. Die Auswahl wurde nach dem Aussehen der Häftlinge getroffen und über ihr Schicksal – zur Zwangsarbeit oder in den Tod – wurde völlig willkürlich entschieden. Die zum Tod Verurteilten mussten sich vor Eintritt in die Gaskammern ausziehen und wurden in dem Glauben gelassen, dass sie zur Desinfektion geschickt würden. Nachdem sie in der Gaskammer waren, versperrte man die Türen und begann Gas einzuleiten. Nach der Ermordung der Opfer wurden ihnen die Goldzähne herausgebrochen und den Frauen die Haare geschoren. Diese Tätigkeiten wurden von Mitgliedern des Sonderkommandos ausgeführt, einer Gruppe der Juden, die zur Arbeit in den Krematorien gezwungen wurde. Die Leichen wurden zur Verbrennung in die Öfen der Krematorien getragen, die Knochen wurden zermahlen und die Asche der Opfer wurde auf den Feldern verstreut.

Jeder Tag barg Todesgefahr in sich, da unter den zur Arbeit eingesetzten Häftlingen bei den mehrmals täglich stattfindenden Appellen Selektionen durchgeführt wurden. Die Schwachen und die Kranken wurden aus der Reihe herausgeholt und in die Gaskammern geschickt. Im Lager herrschte ein brutales, auf einem System von Bestrafungen und Folter basierendes Regime und nur wenigen gelang es zu überleben. In Auschwitz-Birkenau wurden mehr als 1.100.000 Juden, 70.000 Polen, 25.000 Sinti und Roma und etwa 15.000 Kriegsgefangene aus der Sowjetunion und anderen Ländern ermordet.