Über den Holocaust

Widerstand und Kampf

Der menschliche Geist im Schatten des Todes

Kaunas, Litauen – Eine Aufführung des Ghetto-Orchesters Kaunas, Litauen – Eine Aufführung des Ghetto-Orchesters.
Bildergalerie

Der Krieg hatte die Juden Europas zum ständigen Überlebenskampf gezwungen. Dennoch gaben viele selbst unter schwersten Bedingungen und Gefährdung ihres Lebens höhere Werte nicht auf. Die Bildung ihrer Kinder, das Einhalten religiöser Gebote und die Pflege jahrhundertealter Werte und Traditionen sowie kulturelle Aktivitäten versuchte man aufrecht zu halten. Nur wenigen von ihnen gelang das Überleben, dennoch zeugen ihre Taten von der Lebhaftigkeit und Kraft des menschlichen Geistes.

Mehr als alles andere beweist die Dokumentationsarbeit, die in Ghettos und Lagern betrieben wurde, den Willen des menschlichen Geistes. Künstler und Intellektuelle, Jugendliche und einfache Menschen schrieben und zeichneten, um die Furcht und Not der jüdischen Gesellschaft zu dokumentieren, um künftigen Generationen ein wahrhaftiges Zeugnis zu hinterlassen. Überall im besetzten Europa, auch in Deutschland, hielten Juden ihre Erfahrungen in Tagebüchern und Memoiren, die sie unter schweren Bedingungen schrieben, fest. Die Dokumentationstätigkeit half vielen, sich über erlittene Demütigungen und Angriffe zu erheben. Manchmal schafften sie es auch, die Aufmerksamkeit der freien Welt auf ihre Lebensrealität zu lenken. Selbst in den Lagern wurden breitgefächerte Aktivitäten angeboten, mittels derer die Häftlinge, wenn auch nur für kurze Zeit, die unmenschliche Realität ihres Lebens vergessen konnten. Auch wenn nur wenige an den verschiedenen Aktivitäten teilnehmen konnten, lag ihre Wichtigkeit in der Manifestation geistiger Kraft. Man bewältigte die alltägliche Realität von Verfolgung und Demütigung, aber bewahrte dabei die menschliche Seele.

In der mörderischen Realität, in der die Juden Europas lebten, setzten sich viele für die Schwachen unter ihnen ein und gründeten Selbsthilfeorganisationen zum Wohl der Ghettobevölkerung. In den Lagern war Nächstenliebe eine Angelegenheit von Leben und Tod und von schweren moralischen Dilemmas begleitet. Durch Hilfeleistung gegenüber anderen Menschen – sei es durch Verzicht auf die eigene Nahrungsration, auf ein warmes Kleidungsstück oder durch Arbeit – reduzierte man die eigenen Überlebenschancen. Dennoch riskierten viele jüdische Gefangene ihr Leben, um das Anderer zu retten.