Über den Holocaust

Das Schicksal der Juden in ganz Europa

Die Ermordung der polnischen Juden

Lodz, Polen – Deportation aus dem Ghetto im Sommer 1944 Lodz, Polen – Deportation aus dem Ghetto im Sommer 1944
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In Polen hatten Juden knapp 800 Jahre lang bis zur nationalsozialistischen Besatzung gelebt. Sie zählten etwa 3,3 Millionen  – mehr als in jedem anderen Staat Europas. Ihr Anteil an der Bevölkerung lag bei etwa zehn Prozent und war der höchste in ganz Europa.

Nach der Eroberung Polens durch die Deutschen und die Sowjetunion im September 1939 wurden die meisten Juden, die im deutschen Besatzungsgebiet verblieben waren – etwa 1,8 Millionen Juden – in Ghettos gesperrt. Nach der deutschen Invasion in die Sowjetunion im Juni 1941 wurden auch die restlichen polnischen Juden in Ghettos interniert und in unterschiedlichen Zeiträumen in Konzentrationslager und zu Zwecken der Zwangsarbeit deportiert.

Im Dezember 1941 wurden die Juden aus dem Ghetto Lodz und Umgebung in Chelmno in Gaswagen ermordet. Im März 1942 begann auch in Auschwitz die Vernichtung polnischer Juden. Nach Ausformulierung der Rassegesetze in der Wannseekonferenz errichteten die Deutschen zwischen März und Juli 1942 drei Vernichtungslager in Polen („Aktion Reinhard“): Belzec, Sobibor und Treblinka. Alle waren in der Nähe zentraler Bahnknotenpunkte gelegen. In diesen Lagern fanden keine Selektionen statt. Sofort nach Ankunft der Deportationszüge wurden die Opfer – Männer, Frauen und Kinder – direkt in den Tod geschickt.

Am 22. Juli 1942, am Vorabend des Tish'a Be'av, begannen die großen Deportationen aus dem Warschauer Ghetto, die bis zum 21. September andauerten und in deren Verlauf etwa 260.000 Menschen ihrer Umwelt entrissen und in den Tod im Vernichtungslager Treblinka geschickt wurden. Bis Ende 1943 wurden in Belzec, Sobibor und Treblinka etwa 1.700.000 Juden, großteils aus Polen, ermordet. Von September 1942 bis Sommer 1944 wurden im Lager Majdanek nahe Lublin zehntausende, meist polnische Juden ermordet.

Im Sommer 1944 wurden die 80.000 Juden, die im Ghetto Lodz verblieben waren, zur Vernichtung geschickt – die meisten von ihnen nach Auschwitz-Birkenau und ein geringerer Teil zur Vernichtungsstätte Chelmno, die speziell zu diesem Zweck wieder in Betrieb genommen wurde. In Chelmno wurden etwa 300.000 Juden, hauptsächlich aus Polen, ermordet. In Auschwitz-Birkenau und in Chelmno gingen die Ermordungen bis zur Befreiung der Lager im Januar 1945 durch die Rote Armee weiter.

Bei Kriegsende waren etwa 380.000 der polnischen Juden noch am Leben  – zu einem geringen Teil in Polen selbst oder in Konzentrationslagern auf deutschem und österreichischem Boden, und zum Großteil als Flüchtlinge in der Sowjetunion.