Über den Holocaust

Einleitung

Die Dimensionen des Verbrechens

Gabor Neumann Gabor Neumann
Bildergalerie

„So habe ich innerhalb von sieben Monaten meinen Vater, meinen Bruder und meine Mutter verloren. Ich habe als Einziger überlebt. Das haben uns die Deutschen angetan. Das sind Dinge, die wir nie vergessen dürfen. Doch letztlich haben wir über sie triumphiert: Die Überlebenden – das gilt auch für mich – haben wunderbare Familien gegründet. Sie sind unsere Rache und unser Trost.“

Zvi Kopolovich

Der Holocaust war die Ermordung von etwa sechs Millionen Juden durch Nazi-Deutschland und seine Verbündeten.

Die Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten begann bereits im Jahr 1933 und war anfänglich gegen die Juden Deutschlands gerichtet, die innerhalb weniger Jahre von vollen Staatsbürgern zu rechtlosen Verfolgten wurden. Die Massenvernichtung selbst fand während des Zweiten Weltkriegs in Europa statt und umfasste die Ermordung von etwa sechs Millionen Juden in viereinhalb Jahren. Auf dem Höhepunkt der Vernichtung wurden innerhalb von 250 Tagen und Nächten, von April bis November 1942, zweieinhalb Millionen Juden ermordet – Männer, Frauen, Alte und hauptsächlich Kinder. Die Mörder zeigten zu keinem Zeitpunkt Zurückhaltung. Die Zahl der Morde nahm zwar ab, als die Anzahl der Juden geringer wurde, hörte jedoch erst mit der Kapitulation der Nationalsozialisten auf.

Juden hatten keine Fluchtmöglichkeit und waren nirgendwo sicher. Die Zerstörung der Gemeinden allein reichte den Mördern jedoch nicht. Ihr Ziel war die Vernichtung des gesamten Volkes – bis zum letzten Juden. Allein Jude zu sein, war für sie ein Verbrechen, für das es nur eine Strafe – den Tod - gab. Männer, Frauen, Alte und Kinder, Gläubige und Säkulare, Gesunde und Kräftige, Kranke und Schwache – ihnen allen drohten Leid und Tod.

Im Holocaust – der vom Ausmaß und Charakter größten Katastrophe des jüdischen Volkes – wurden tausende jüdische Gemeinden mit ihrem materiellen und geistigen Reichtum vernichtet.

Im Laufe des Krieges wurde der Großteil der europäischen Juden ermordet. Blühende jüdische Gemeinden, die Jahrhunderte lang gewachsen waren, wurden zerstört. Die wenigen Überlebenden, manchmal nur einer pro Stadt oder zwei aus einer gesamten Familie, sammelten völlig erschöpft und traumatisiert den Rest ihrer Kräfte und bauten mit außergewöhnlichem Lebensmut ihr Leben von Neuem auf. Sie wollten sich nicht kaltblütig an ihren Verfolgern rächen, sondern bemühten sich, die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen. Sie entschieden sich für das Leben: Neue Familien entstanden im Schatten des Verlustes. Aufblühende Gemeinden und das Gedenken an Holocaust und Heldentum gaben ihrem Leben wieder Bedeutung.