Über den Holocaust

Lexikon

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„Endlösung der Judenfrage"

Tarnbezeichnung, die im amtlichen Schriftverkehr der NS-Behörden ab spätestens Frühling 1941 verwendet wurde, um die systematische Ermordung der europäischen Juden zu umschreiben. Diese Entwicklung der Judenpolitik hatte sich seit 1939 herauskristallisiert. Bis dahin waren Ausgrenzung und Vertreibung Methoden der Nationalsozialisten, um ein „judenreines Deutsches Reich" zu realisieren. Während der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 war der Begriff „Endlösung" längst gebräuchlich.


Aktion

Das Sammeln von Juden in Vorbereitung ihrer Deportation und Ermordung. Aktionen fanden vor der Ermordung von Juden in Erschießungsgruben und vor ihrer Deportation in die Vernichtungslager statt. Sie wurden von der SS und ihren Helfern durchgeführt und mit großer Brutalität vollzogen.


Aktion Reinhard

Der Deckname für die Aktion zur Vernichtung der Juden des Generalgouvernements im besetzten Polen im Rahmen der „Endlösung". Im Rahmen der Aktion wurden drei Vernichtungslager errichtet: Belzec, Sobibor und Treblinka. Die Lager wurden neben Eisenbahnstrecken, in abgeschiedenen Gebieten in Nähe der Ostgrenze Polens errichtet. Die Aktion wurde zwischen März 1942 und November 1943 durchgeführt, und es wurden in ihrem Verlauf mehr als zwei Millionen der Juden des Generalgouvernements ermordet.


Aliyah (wörtlich: „Aufstieg")

Bezeichnung für die jüdische Einwanderung nach Palästina. Ursprünglich bedeutete Aliyah das Hinaufziehen zum Tempel in Jerusalem im Sinne einer Wallfahrt. Erst im 20. Jh. änderte sich die Bedeutung des Wortes Aliyah.


Anschluss

Die Annexion Österreichs an das Dritte Reich am 13. März 1938. Viele Österreicher nahmen die Annexion mit großer Begeisterung auf. In Folge der Annexion wurde in Österreich ein nationalsozialistisches Regime eingesetzt, und die Juden wurden zu Opfern von Verfolgung und erzwungener Emigration.


Antisemitismus

Ein in den 1870er Jahren in Europa geprägter Begriff für Judenhass, der als Sammelbegriff für verschiedene Formen der Judenfeindschaft und des Judenhasses gelten kann. Die unwissenschaftlichen und irrationalen Behauptungen des Antisemitismus wie auch seine Dauerhaftigkeit und Intensität beziehen sich u.a. auf Elemente der jüdischen Religion sowie auf die Rolle der Juden in der Wirtschaft und anderen Lebensbereichen der westlichen Welt. Über Jahrhunderte hinweg wurde der Begriff "Jude" mit Vorurteilen, negativen Bildern und pauschalen Verleumdungen verbunden. All diese Motive stehen in keinerlei Beziehung zur wirklichen jüdischen Gesellschaft.


Arier

Bedeutete ursprünglich die Zugehörigkeit zu einer bestimmten indogermanischen Sprachfamilie. In der Rassenforschung vor der NS-Zeit wurde der Begriff bereits fälschlicherweise als Bezeichnung für die so genannten „indogermanischen bzw. nordischen Stämme" verwendet; in der NS-Rassenlehre und Gesetzgebung dann jedoch als Sammelbegriff für „deutsches und artverwandtes Blut" benutzt, v. a. im Gegensatz zu „jüdisch bzw. jüdischer Abstammung". Die Rassenlehre des Nationalsozialismus beruht auf keinerlei wissenschaftlicher oder logischer Basis.


Arisierung

Arisierung war die NS-Bezeichnung für die Überführung jüdischen Besitzes in „arische Hände" zur „Entjudung der Wirtschaft". Es gab kein formelles Arisierungsgesetz, doch waren die Juden durch den wachsenden politischen und gesellschaftlichen Druck und durch die Anwendung der „Ariergesetzgebung" im wirtschaftlichen Bereich oft gezwungen, ihren Besitz zu verkaufen.


Assimilation

Bezeichnet in der jüdischen Geschichte verschiedener Länder und Epochen die intensive Aneignung der vorherrschenden kulturellen und gesellschaftlichen Lebensformen.


Belzec

Vernichtungslager im Südosten Polens, eines der Lager der „Aktion Reinhard". Das Lager wurde im März 1942 in Betrieb genommen. In Belzec wurden etwa 600,000 Menschen ermordet, zum Großteil Juden, sowie tausende Roma und Sinti. Im Dezember 1942 wurde die Vernichtungstätigkeit im Lager beendet, und bis zum Frühjahr 1943 waren die Deutschen damit beschäftigt, die Leichen der Ermordeten zu verbrennen und die Spuren des Mordes vor Ort zu verwischen.


Bricha (Flucht)

Der Name, der der Massenauswanderung der letzten jüdischen Überlebenden seit 1944 aus Osteuropa, hauptsächlich aus Polen, in Richtung Deutschland und den Ländern Westeuropas, gegeben wurde. Dort hielten sie sich vorübergehend in DP-Camps auf. Zum Großteil emigrierten die Überlebenden nach Palästina (zum Beispiel als illegale Einwanderer), die übrigen emigrierten an unterschiedliche Orte.


Buchenwald

Konzentrationslager in Deutschland; errichtet im Juli 1937. Bis Ende März 1945 waren in ihm und seinen Nebenlagern (ca. 130 Lager) insgesamt etwa 240,000 Gefangene aus ungefähr 30 Ländern inhaftiert. 43,000 von ihnen wurden ermordet oder starben aufgrund der schweren Bedingungen, die im Lager herrschten. Nach dem Novemberpogrom wurden etwa 10,000 Juden nach Buchenwald deportiert.


Chelmno

Vernichtungslager, 70 Kilometer westlich von Lodz. Das erste Lager für den Massenmord an Juden durch Gas, und der erste Vernichtungsort, außerhalb der Besatzungsgebiete in der Sowjetunion, für den Massenmord im Rahmen der „Endlösung". Das Lager war für die Vernichtung der Juden aus dem Ghetto Lodz und dem Gebiet des sogenannten „Warthegaus" vorgesehen. In Chelmno wurden drei Gaswagen eingesetzt. Am 7. Dezember 1941 begann die Vernichtung in Chelmno. In dem Lager wurden ungefähr 320,000 Menschen ermordet, von denen etwa 98% Juden waren.


Displaced-Persons-Lager (DP-Lager)

Vorübergehende Auffanglager, in denen so genannte Displaced Persons (DPs) nach der Befreiung 1945 untergebracht wurden. DP war nach dem Zweiten Weltkrieg die Bezeichnung der Westalliierten für Verschleppte, ehemalige Zwangsarbeiter und überlebende Juden. Bei Kriegsende gab es in Europa etwa sieben Millionen DPs. Darunter waren rund 250.000 Juden. Von ihnen wanderten etwa 136.000 nach Israel aus, in die USA etwa 80.000, rund 12.000 blieben in Deutschland.


Eichmann, Adolf (1906-1962)

Leiter der Abteilung der Gestapo, die mit der Durchführung der „Endlösung der Judenfrage" beauftragt wurde. 1938 leitete er die Zwangsauswanderung der Juden Wiens. 1939 wurde er zum Leiter des „Referats für Judenangelegenheiten" in der Gestapo ernannt. Eichmann war für die Deportationen nach Nisko verantwortlich, an den Vorbereitungen zur Wannseekonferenz beteiligt und nahm an ihr als Experte zum Thema der Deportationen teil. Über seine Vertreter leitete Eichmann die Deportation der Juden aus verschiedenen Ländern Europas in die Vernichtungslager. In Ungarn stand er persönlich an der Spitze der Aktion, in deren Rahmen etwa eine halbe Million ungarische Juden nach Auschwitz deportiert wurden. Zu Kriegsende floh er mit Unterstützung des Vatikans nach Argentinien. Im Mai 1960 wurde Eichmann vom israelischen Geheimdienst gefasst und nach Israel gebracht. In den Jahren 1961 bis 1962 fand in Jerusalem sein Prozess statt. Am Ende des Prozesses wurde Eichmann hingerichtet.


Einsatzgruppen

Motorisierte Operationseinheiten, die aus Mitgliedern der deutschen Polizei, des SD (Sicherheitsdienst der SS) und lokalen Hilfstruppen zusammengesetzt wurden. Die Einsatzgruppen operierten in den Gebieten, die die Deutschen erobert hatten. Vier Einsatzgruppen begleiteten die Armee, die im Juni 1941 in Gebiete der Sowjetunion einfiel, und wurden hauptsächlich mit der Ermordung der Juden in diesen Gebieten beauftragt, entsprechend den Anweisungen des Reichssicherheitshauptamts. Die Mordmethode bestand in Massenerschießungen in dafür vorgesehenen Gruben und durch Gaswagen.


Eretz Israel

Zionistische Bezeichnung für das Land Israel. Vor der Staatsgründung 1948 bezog sich der Ausdruck auf das britische Mandatsgebiet Palästina.


Euthanasie

Deckname der Nationalsozialisten für ihren Plan, die „asozialen" Elemente innerhalb der deutschen Gesellschaft, ihrer Ideologie nach Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung und psychisch Kranke, zu ermorden. Die Mordmethode, die in den Euthanasie-Anstalten angewendet wurde, war die Vergiftung der Opfer durch Gas. Die Aktion, die mit Kriegsbeginn einsetzte, wurde zwar im September 1941 offiziell beendet, in Wirklichkeit aber bis Kriegsende fortgesetzt. Es wird geschätzt, dass etwa 100,000 Menschen im Rahmen des Euthanasie-Programms ermordet wurden.


Evian-Konferenz

Eine internationale Konferenz über Flüchtlingsangelegenheiten, die auf eine amerikanische Initiative im Juli 1938 im französischen Evian einberufen wurde. Die Konferenz bewies absolute Handlungsunfähigkeit in der Lösung des Problems der jüdischen Flüchtlinge, und kein einziger Staat zeigte Bereitschaft etwas für die jüdischen Flüchtlinge in Europa zu tun.


Gelber Stern

Im Jahre 1939 erhoben die Nationalsozialisten die Anordnung erstmals in Polen, Juden durch das Tragen einer Kennzeichnung, dem Davidstern, von der übrigen, arischen Bevölkerung zu trennen. Juden sollten die stets sichtbaren, meist gelben, sechszackigen Sterne von mindestens 10 Zentimeter Durchmesser auf der linken Brustseite und auf der Mitte des Rückens tragen. Abhängig von der jeweiligen deutschen Verwaltung, variierte die Form der Kennzeichnung. So mussten z.B. die Juden des Generalgouvernements, eine weiße Armbinde mit einem blauen Davidstern tragen. Die Juden mussten in Eigenverantwortung die Abzeichen kaufen und verteilen. Juden, die ohne ihr Abzeichen in die Öffentlichkeit gingen oder deren Abzeichen nicht den Bestimmungen entsprach, erhielten Geld- und Gefängnisstrafen. Im Deutschen Reich wurde die Anordnung zum Tragen des „Judensterns" im September 1941 erlassen.


Generalgouvernement

Name der Verwaltungseinheit, die die deutschen Besatzungsbehörden am 26. Oktober 1939 in den besetzten Teilen Polens, die nicht ans Deutsche Reich annektiert wurden, einrichteten. Das Generalgouvernement war in vier Distrikte unterteilt: Warschau, Krakau, Radom und Lublin, und jeder dieser Distrikte wurde in Stadt- und Landkreise unterteilt. Zur Hauptstadt des Generalgouvernements wurde Krakau bestimmt. Nach der deutschen Invasion in Territorien der Sowjetunion wurde dem Generalgouvernement ein fünfter Distrikt hinzugefügt – Lwow. An der Spitze des Generalgouvernements stand der „Generalgouverneur" Hans Frank.


Gerechte unter den Völkern

Ehrentitel für Nichtjuden, die während des Holocaust Juden gerettet haben, indem sie sie versteckten oder ihnen zur Flucht verhalfen. Der Person kommt auch dann die Ehrung zugute, wenn die Rettung am Ende misslang. Allerdings muss es sich um eine Rettung ohne Gegenleistung handeln. Der Titel „Gerechte unter den Völkern" wird ausschließlich von Yad Vashem vergeben. Bis Januar 2011 wurden insgesamt 23.788 Gerechte geehrt.


Gestapo (Abkürzung für „Geheime Staatspolizei")

Die Aufgaben der Gestapo waren hauptsächlich die Bespitzelung und Überwachung der Bevölkerung, um politische Gegner aufzufinden und zu verfolgen. Sie verhaftete auch Juden, und besonders nach 1939 war die Gestapo offiziell für die Verfolgung der Juden zuständig. Die Gestapo unterstand Heinrich Himmler (Leiter der SS) und Reinhard Heydrich (Leiter des Reichssicherheitshauptamtes und des Sicherheitsdienstes).


Ghetto

Die Ghettos der Nazi-Zeit wurden als geschlossene jüdische Wohngebiete vorwiegend in den besetzten Gebieten Osteuropas errichtet. In Deutschland gab es keine Ghettos, sondern „Judenhäuser", in denen die Juden bis zu ihrer Deportation konzentriert wurden. In den Ghettos in Osteuropa starben innerhalb kürzester Zeit viele der Einwohner auf Grund der unmenschlichen Bedingungen.


Hitlerjugend

Jugend- und Nachwuchsorganisation der NSDAP, der Nazi-Partei. Unter diesem Oberbegriff fanden sich Organisationen für kleinere Kinder und für heranwachsende Jungen und Mädchen.


Holocaust

Seit den 1970ern ist „Holocaust" eine nahezu weltweit gebräuchliche Bezeichnung für den Mord an den Juden Europas durch NS-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Holocaust stammt vom griechischen Wort „holocauston" ab und bedeutet „Brandopfer" (wörtlich übersetzt „ganz verbrannt"). Das Symbol des Brand- oder Sühneopfers macht den Begriff jedoch insofern zwiespältig, weil die Massenvernichtung keine religiöse oder kultische Handlung war, sondern ein systematisch geplanter und durchgeführter Mord. In Deutschland setzte sich der Begriff ab 1979 durch, nach der Ausstrahlung der gleichnamigen TV-Serie im deutschen Fernsehen. Das Wort Holocaust stellt für viele jüdische Überlebende wegen des ursprünglich christlichen Hintergrundes ein Problem dar, weshalb von Juden auch oft der Begriff Shoah verwendet wird.


Jüdische Kampforganisation (polnisch: Zydowska Organizacja Bojowa, kurz ZOB)

Eine Kampforganisation, die am 28. Juli 1942 im Warschauer Ghetto gegründet wurde. Die Organisation wurde von den Jugend-Pionierorganisationen zur Zeit der großen Deportation aus dem Ghetto gegründet. Nach der Deportation wurde die Jüdische Kampforganisation erweitert, und Aktivisten aus anderen Strömungen des Untergrundes schlossen sich ihr an. Gesandte der Organisation waren aktiv in der Verbreitung der Idee des bewaffneten Widerstands in weitere Ghettos im besetzten Polen, und knüpften Verbindungen auf der „arischen" Seite zum Zweck der militärischen Unterweisung und dem Erlangen von Waffen. Die ŻOB stand an der Spitze des Aufstandes im Warschauer Ghetto, in dessen Verlauf Einheiten aus Mitgliedern der Organisation einen Monat lang gegen die großen Einheiten der Deutschen kämpften. Die meisten Kämpfer kamen bei den Kämpfen ums Leben, unter ihnen auch der Kommandant der Organisation, Mordechai Anielewicz.


Jiddisch

Sprache, die Juden hauptsächlich in Osteuropa als Alltagssprache gesprochen haben. Sie enstand aus einer Kombination von Mittelhochdeutsch, der jeweils lokalen Sprache und Hebräisch. Bis heute wird von vielen frommen Juden Jiddisch gesprochen.


Joint

Kurzform für „American Jewish Joint Distribution Committee" - eine Organisation zur materiellen Unterstützung von Juden in Not, die 1914 in den Vereinigten Staaten gegründet wurde, und viel für die Juden Osteuropas während des Ersten Weltkriegs und in der Zeit danach unternahm. Nach Hitlers Aufstieg zur Macht stellte der Joint umfangreiche Unterstützung für die deutschen Juden zur Verfügung. Im Zweiten Weltkrieg half der Joint den polnischen und litauischen Juden, bis zum Kriegseintritt der Vereinigten Staaten. Auch danach wurden Gelder des Joint an Gruppen von Juden in verschiedenen Ländern und an Gruppen von Flüchtlingen geschickt.


Judenrat

Judenräte (Ältestenräte) wurden auf deutschen Befehl in den jüdischen Gemeinden des besetzten Europa eingerichtet. Die ersten Judenräte wurden im okkupierten Polen auf Weisung von Reinhard Heydrich vom 21. September 1939 und auf Grund einer Verordnung von Hans Frank, Chef des Generalgouvernements, vom 18. November 1939 eingerichtet. Später wurden auch in anderen Ländern Judenräte etabliert. Die Judenräte waren von den Nazis geschaffenen Körperschaften, die das Leben in den Ghettos in Osteuropa und in jüdischen Gemeinden in Westeuropa, ausgerichtet an der NS-Gesetzgebung, regeln sollten. Ihre Rolle ist bis heute umstritten, da sie zum einen mit den deutschen Behörden arbeiten mussten, andererseits aber auch versuchten, den Lebenswillen der Juden zu stärken.


Madagaskar-Plan

Im Sommer 1940 wurde der Plan zur „Lösung der Judenfrage" durch die Vertreibung der Juden auf die Insel Madagaskar, an der Ostküste Afrikas, entworfen. Der Sieg über Frankreich und das Scheitern des Plans eines „Judenreservats" in Lublin (Nisko) rückten den „Madagaskar-Plan" in das Interesse der Nazis. Das Scheitern Deutschlands in der Schlacht um England im September 1940 führte dazu den Plan fallenzulassen.


Mengele, Josef (1911 – ?)

Arzt und SS-Offizier, der als der „Todesengel von Auschwitz" Bekanntheit erlangte. Ab Juni 1940 diente Mengele in der Sanitätsabteilung der Waffen-SS. Im Mai 1943 begann er seinen Dienst im Vernichtungslager Auschwitz, und blieb dort bis zu dessen Evakuierung. Mengele war mit angeblich medizinischen Versuchen beschäftigt, und führte auch Selektionen unter den Juden durch, die ins Lager gebracht wurden. Im Bereich der Experimente konzentrierte sich Mengele hauptsächlich auf Zwillinge und Kleinwüchsige und benutzte sie als Versuchskaninchen. Nach der Evakuierung von Auschwitz wurde er in das Konzentrationslager Mauthausen versetzt. Mit der Befreiung Mauthausens verloren sich seine Spuren.


Mischlinge

Kinder aus Mischehen. Als „Mischlinge ersten Grades" oder „Halbjuden" galten solche, die zwei jüdische Großelternteile hatten, nicht der jüdischen Religion angehörten und am 15. September 1935 nicht mit einem jüdischen Ehepartner verheiratet waren. Als „Mischlinge zweiten Grades" oder „Vierteljuden" galten Menschen mit den gleichen Voraussetzungen, die einen jüdischen Großelternteil hatten. Die Nazis wollten „Mischlinge ersten Grades" in ihrem Status Juden gleichsetzen, und die „Mischlinge zweiten Grades" im deutschen Volk integrieren.


Nürnberger Gesetze

Die Nürnberger Gesetze wurden am 15. September 1935 bei einem Parteitag der NSDAP in Nürnberg erlassen. Sie legalisierten die gesellschaftliche Ausgrenzung und Isolation der Juden. Zwei der zentralen Gesetze waren das Gesetz zur Staatsbürgerschaft (das sogenannte Reichsbürgergesetz) und das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre.
Das Reichsbürgergesetz schrieb vor, dass nur Arier bzw. Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes „Reichsbürger“ sein können. Damit verloren die Juden ihre Rechte als Staatsbürger und wurden lediglich zu Staatsangehörigen erklärt, die mit deutlich beschränkten Bürgerrechten ausgestattet waren. Beim Verlassen des Deutschen Reichs verloren die Juden auch diesen Status und galten fortan als staatenlos, was bedeutete, dass die Einreise in andere Staaten mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden war.
Mit dem Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre wurden Eheschließungen und sonstige Beziehungen sexueller Art zwischen Juden und Nichtjuden kriminalisiert. Diejenigen, die zuwider handelten und somit die Reinheit des deutschen Blutes gefährdeten, wurden auf der Grundlage dieses Gesetzes wegen Rassenschande verurteilt. Auch wurde z. B. die Beschäftigung nichtjüdischer Haushaltshilfen unter 45 Jahren in jüdischen Haushalten verboten.
In ergänzenden Verordnungen definierte das Reichsbürgergesetz im weiteren, wer als Volljude, Halbjude, Vierteljude oder Mischling zu gelten habe. Diese Definition orientierte sich allerdings nicht an der Glaubenszugehörigkeit der Juden, sondern an einer vermeintlich „rassischen“ Zugehörigkeit.


Nürnberger Prozesse

Prozesse, die die Alliierten in einem Militärgericht in Nürnberg in den Jahren1946-1948 abhielten, und in denen etwa 3,000 Nazi-Kriegsverbrecher verurteilt wurden. Der Hauptprozess wurden gegen 22 führende Köpfe des Nazi-Regimes geführt.


Novemberpogromnacht

Der heute verwendete Name für das Pogrom, das in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in ganz Deutschland und Österreich stattfand. Das Pogrom wurde dargestellt als Reaktion auf die Ermordung des dritten Sekretärs in der deutschen Botschaft in Paris, Ernst vom Rath, durch Herschel Grynszpan, dessen Eltern nach Zbaszyn deportiert worden waren. Im Laufe des Pogroms wurden etwa eintausend Synagogen im ganzen Reichsgebiet in Brand gesetzt oder vollständig zerstört, über 800 Geschäfte wurden abgebrannt und ausgeraubt, und hunderte Wohnungen und Häuser zerstört oder beschädigt. Die zerbrochenen Glasscheiben der Synagogen und der jüdischen Geschäfte gaben dem Pogrom den Namen „Reichskristallnacht". 91 Juden wurden bei dem Pogrom ermordet und etwa 30,000 wurden festgenommen und in Konzentrationslager deportiert, einzig und allein weil sie Juden waren. Nach dem Pogrom wurde über die Juden eine willkürliche Geldstrafe in der Höhe von einer Milliarde Reichsmark verhängt, und sie wurden gezwungen ihr Eigentum, das beschädigt worden war, selbst wieder aufzubauen.


NSDAP

Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) wurde im Januar 1919, im ersten Jahr unter dem Namen Deutsche Arbeiterpartei (DAP) laufend, gegründet. Adolf Hitler trat der Partei ein Jahr später bei und übernahm 1921 die Führung. Die NSDAP wurde zu Hitlers Machtinstrument. 1923 - nach Hitlers fehlgeschlagenem Putschversuch in München - wurde die Partei zunächst verboten, 1925 aber wieder aufgebaut. Das Parteiprogramm war betont nationalistisch und basierte auf einer antisemitischen Weltanschauung. Die Partei war entsprechend dem sogenannten „Führerprinzip" streng hierarchisch aufgebaut - mit dem unbestrittenen Führer an der Spitze, dem der gesamte Parteiapparat untergeordnet war. Ziel der NSDAP war es, als Massenbewegung die breiten Schichten der Bevölkerung zu erfassen. Daher waren in die Partei viele Unterorganisationen eingegliedert, wie z.B.die Hitlerjugend und die SS. 1922 hatte die Partei lediglich 6.000 Mitglieder, am Ende des Krieges 1945 betrug die Mitgliederzahl 8,5 Millionen.


Pfeilkreuzler

Eine 1937 von Ferenc Szalasi in Ungarn gegründete faschistische, extrem aggressive antisemitische Partei. Bei der Parlamentswahl 1939 erhielt die Pfeilkreuzler-Partei ca. 25 Prozent der Stimmen. Deutschland marschierte im März 1944 in Ungarn ein. Nach dem gescheiterten Versuch des ungarischen Präsidenten Horthy im Oktober 1944, einen Separatfrieden mit den Alliierten zu schließen, bildete sich eine Koalitionsregierung unter der Führung der Pfeilkreuzler. Mitglieder und Anhänger der Pfeilkreuzler durchzogen das Budapester Ghetto mit Terroraktionen und ermordeten bis zur Befreiung durch die sowjetische Armee im Januar 1945 tausende Budapester Juden.


Pogrom

Als Pogrom wird eine gewalttätige Aktion gegen Juden bezeichnet, bei der unter anderem Geschäfte geplündert und Menschen misshandelt und ermordet werden. Heute wird das Wort Pogrom auch für gewalttätige Ausschreitungen gegen andere Minderheiten verwendet.


Ponar

Ort der Massenvernichtung neben Wilna. Die Opfer wurden am Rand von Gruben, die zu Massengräbern wurden, erschossen. In Ponar wurden zehntausende der Juden Wilnas und seiner Umgebung ermordet, sowie sowjetische Kriegsgefangene und Zivilisten, die sich den Nazis widersetzten. Nach unterschiedlichen Schätzungen wurden in Ponar 70,000 bis 100,000 Menschen ermordet, zum überwiegenden Teil Juden. Im September 1943 begannen die Deutschen die Gruben zu öffnen und die Leichen der Ermordeten zu verbrennen, um die Spuren des Verbrechens zu beseitigen.


Rabbiner

Der Rabbiner ist hauptsächlich geistiger Führer der Gemeinde, Lehrer und Ausleger der Thora und entscheidet in religionsgesetzlichen Fragen.


Reichsvertretung der Deutschen Juden

Allgemeine Vertretung, die im September 1933 auf Initiative einiger Jüdischer Gemeinden im Westen Deutschlands und der Jüdischen Gemeinde Berlins gegründet wurde, um die massiven existenziellen Probleme der deutschen Juden unter dem Nazi-Regime zu bewältigen. Die Organisation war in allen Bereichen des internen Lebens der deutschen Juden, und in ihrer Vertretung gegenüber den Behörden und den Jüdischen Organisationen außerhalb Deutschlands tätig. Die Vertretung hatte keinen rechtlich anerkannten Status, wurde aber de facto von Seiten des Regimes anerkannt. 1939, in Folge von Veränderungen in der organisatorischen und rechtlichen Struktur, wurde ihr Name in „Reichsvereinigung der Juden in Deutschland" geändert.


Repatriierung

Heimkehr der wenigen polnischen Juden, die bei Kriegsausbruch auf sowjetisches Territorium geflohen waren. Die Repatriierung wurde gemäß eines Abkommens durchgeführt, das zwischen Polen und der Sowjetunion unterzeichnet worden war, und ermöglichte die Rückkehr von Juden und Polen polnischer Staatsbürgerschaft nach Polen. Schätzungen zufolge, erreichten bis Ende 1946 ungefähr 250,000 Flüchtlinge das polnische Staatsgebiet. Auch nach 1946 kamen weitere Flüchtlinge, wenn auch in geringeren Zahlen.


Ribbentrop-Molotow-Pakt

Ein Nichtangriffspakt inklusive Wirtschaftsabkommen, der am Vorabend des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs zwischen der Sowjetunion und Nazi-Deutschland unterzeichnet wurde. Dem Pakt wurde ein geheimes Zusatzprotokoll angefügt, das die Aufteilung der Interessensgebiete in Osteuropa behandelte. In Folge des Paktes wurde Polen zwischen den beiden Staaten aufgeteilt. Der Pakt hielt weniger als zwei Jahre, bis die Deutschen mit ihrer Invasion in die Sowjetunion im Juni 1941 gegen ihn verstießen.


SA

Abkürzung für „Sturmabteilung", die zur NSDAP gehörte. Seit 1920 war sie parteieigener Ordnungsdienst und damit auch erster Schlägertrupp. Die paramilitärischen, uniformierten Truppen waren eines der Instrumente zur Zerstörung der Demokratie und in den ersten Wochen nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wichtige Helfer bei der Sicherung dieser Macht. Die Machtbestrebungen des Chefs der SA, Ernst Röhm, standen den Plänen der NSDAP von einer politischen Stabilisierung entgegen und so kam es am 1. Juli 1934 zum Mord an Röhm und seinen engsten Anhängern. Für die SS bedeutete dies eine enorme Machtsteigerung. Die SA blieb jedoch bestehen und spielte nochmals während des Novemberpogroms 1938 eine zentrale Rolle.


SD

Der Sicherheitsdienst der SS. Der SD war der Geheimdienst der nationalsozialistischen Partei und eine zentrale Abteilung bei der Durchführung der „Endlösung". 1931 gründete Himmler den Kern des Geheimdienstes und stellte Reinhard Heydrich an dessen Spitze. Nach einem Jahr wurde diese Organisation zum Sicherheitsdienst der SS. Als Hauptaufgabe des SD wurde die Identifizierung von Feinden der Partei und deren überwachung festgelegt. 1935 begann die „Abteilung Juden" innerhalb des SD eine Politik und Handlungsmethoden herauszubilden, auf ihrer Ansicht basierend, dass die Juden allein von ihrer Natur her Feinde des Staates und des Regimes seien.


Selektion

Ablauf der Einteilung der jüdischen Häftlinge bei ihrer Ankunft in den Vernichtungs- und Konzentrationslagern (Auschwitz-Birkenau und Majdanek). Der Großteil der Ankommenden wurde sofort in die Gaskammern geschickt, und nur wenige wurden dazu bestimmt im Lager bis zum Ende ihrer Kräfte zu arbeiten.


She'erit Hapletah

Nach dem Krieg wurde der hebräische Name „She'erit Hapletah" („übriggebliebener Rest") den jüdischen Überlebenden und Flüchtlingen gegeben, die sich weigerten ihr Leben in Europa neu aufzubauen, vor allem in dem von Antisemitismus geprägten Osteuropa. Sie sammelten sich zum Großteil in DP-Camps, organisierten sich als nationale Gruppe mit einem Ziel und einem politischen Bewusstsein, und forderten aus Europa auswandern und vor allem nach Palästina einwandern zu können.


Shoah

Aufgrund der problematischen Bedeutung des Begriffs „Holocaust" für jüdische Überlebende, begann man gegen Ende der 1970er Jahre, das Wort „Holocaust" durch das Wort „Shoah" zu ersetzen. „Shoah" kommt aus dem Hebräischen und heißt „Katastrophe". Generell meint man mit Shoah die ideologisch vorbereitete und industriell durchgeführte Vernichtung von sechs Millionen Juden und Jüdinnen während der Zeit des Nationalsozialismus.


Sobibor

Ein Vernichtungslager, das im Rahmen der „Aktion Reinhard" nahe des Dorfes Sobibor, im östlichen Teil des Distrikts Lublin in Polen errichtet wurde. Die Vernichtungstätigkeit im Lager begann im Mai 1942. In der gesamten Zeit, in der das Lager in Betrieb war, wurden dort etwa 250,000 Juden ermordet. Einige Fluchtversuche aus dem Lager waren erfolgreich. Am 14. Oktober 1943 brach in Sobibor ein Aufstand aus, in dessen Verlauf elf SS-Männer und einige Ukrainer getötet wurden. Etwa 300 Gefangene flohen, aber die meisten von ihnen wurden auf der Flucht getötet. Nach dem Aufstand wurde das Lager abgerissen und an seiner Stelle wurde ein Bauernhof errichtet.


Sonderkommando

Einheiten, hauptsächlich der SS, die für besondere Aufgaben im Rahmen der „Endlösung" bestimmt wurden: Ermordung von Juden und Verwischen der Spuren des Massenmordes. Der Name „Sonderkommando" wurde auch den jüdischen Arbeitseinheiten in den Vernichtungslagern gegeben, die die Leichen der Ermordeten in die Krematorien oder Massengräber bringen mussten. Eine Gruppe des Sonderkommandos organisierte im Oktober 1944 einen Aufstand in Birkenau.


SS

Abkürzung für „Schutzstaffel". Gegründet 1925 als Leibgarde Adolf Hitlers. Nach der Entmachtung der SA 1934 wurde die SS eine selbstständige Organisation innerhalb der NSDAP. Die SS wurde mit mehr als 40.000 Mitgliedern das grausamste Werkzeug NS-Deutschlands für die Ausübung des NS-Terrors und die Durchführung des Holocaust. So hatte sie unter anderem die Verantwortung bei verschiedenen Verwaltungsaufgaben in den Konzentrations- und Vernichtungslagern.


Stürmer, Der

„Der Stürmer" war eine nationalsozialistische Zeitschrift. Sie wurde 1923 von Julius Streicher in Nürnberg ins Leben gerufen, um die Massen für den Nationalsozialismus zu begeistern. Das ausschließliche Thema der Zeitung war die Hetze gegen Juden. Seit 1927 stand auf dem unteren Rand jeder Seite das Zitat „Die Juden sind unser Unglück". Dieser Spruch stand ebenso auf den „Stürmer-Kästen", in denen das Blatt ab 1933 in allen deutschen Städten und Dörfern aushing. Wegen der offensichtlichen und meist geschmacklosen Hetze wurde „Der Stürmer" auch von einigen Teilen der Gesellschaft abgelehnt.


Synagoge

Jüdisches Lehr- und Gebetshaus; hier konzentriert sich das gesamte Gemeindeleben.


Theresienstadt

Garnisonsstadt im Nordwesten der ehemaligen Tschechoslowakei. Während des Zweiten Weltkriegs fungierte der Ort als Ghetto und Lager. Nach Theresienstadt wurden etwa 140,000 Juden deportiert, hauptsächlich aus Böhmen und Mähren, sowie aus Zentral- und Westeuropa. Das Lager Theresienstadt diente drei Zielen: als Sammelort von Juden, als Durchgangslager zu Vernichtungslagern, und als Instrument in den Händen der nationalsozialistischen Propaganda, das dazu bestimmt war, die Vernichtung der europäischen Juden durch eine Darstellung des Lagers als „Jüdische Vorzeigesiedlung" zu tarnen.


Todesmarsch

Verschleppung von KZ-Häftlingen aus verschiedenen KZs in andere Lager, zumeist im Rahmen des Vormarschs der Alliierten. So wurde z.B. Auschwitz geräumt und Häftlinge wurden zu Fuß oder in offenen Güterwaggons Richtung Deutschland getrieben. In der deutschen Amtssprache nannte man diese Maßnahmen, während derer Tausende starben, bzw. ermordet wurden, „Evakuierung".


Transnistrien

Landstrich zwischen den Flüssen Bug und Dnjester (heute Ukraine), den Hitler Rumänien im Gegenzug für den Eintritt in den Krieg gegen die Sowjetunion übergab. In diesem Gebiet wurden die Juden Bessarabiens, der Bukowina und Nord-Moldawiens konzentriert, die die rumänischen Behörden auf deutsche Anweisung hin und auf Befehl Ion Antonescus, dem Diktator Rumäniens, deportiert hatten. Die Deportationen begannen im September 1941 und gingen, mit Unterbrechungen, bis Herbst 1942 weiter. Zwischen 150,000 und 185,000 Juden wurden nach Transnistrien deportiert. Viele von ihnen starben im Laufe der brutalen Deportation, und die Überlebenden wurden in Ghettos und Lagern gesammelt und mussten Zwangsarbeit leisten. Im März 1944 begann die Befreiung Transnistriens durch die sowjetische Armee. Etwa 90,000 der Deportierten kamen ums Leben.


Treblinka

Eines der drei Vernichtungslager, die im Rahmen der „Aktion Reinhard" betrieben wurden. Im Juli 1942, mit Beginn der Deportationen aus Warschau, wurde mit der Ermordung von Juden im Lager begonnen. Die Struktur des Lagers entsprach jener der Lager Belzec und Sobibor, und auch die Tötungsmethode war ähnlich - Vergiftung durch Kohlenstoffmonoxid. Nach Treblinka wurden Juden aus Warschau und anderen Teilen Polens gebracht, sowie aus der Slowakei, aus Theresienstadt und aus Thrakien, sowie etwa 2,000 Roma und Sinti. Im August 1943 brach im Lager ein Aufstand aus, und kurze Zeit später zerstörten die Deutschen das Lager. Ungefähr 900,000 Juden wurden in Treblinka ermordet.


Unternehmen Barbarossa

Der deutsche Deckname für die Invasion in die Sowjetunion am 22. Juni 1941. Mit der Invasion in die Sowjetunion begann auch die Massenvernichtung der Juden in den Gebieten, die die deutschen Truppen besetzt hatten.


Vichy

Ein pro-nationalsozialistisches Regime, das nach Frankreichs Fall im Juni 1940 im südlichen Teil des Landes herrschte und an dessen Spitze Marschall Petain stand. Das Vichy-Regime war theoretisch für das gesamte Staatsgebiet verantwortlich. Im Oktober 1940 führte das Regime ein anti-jüdisches Gesetz mit dem Namen „Statut des Juifs" („Judenstatut") ein. Das Vichy-Regime unternahm die Arisierung jüdischen Eigentums und kollaborierte auch mit den Deutschen im Laufe der Deportationen, zuerst bei der Deportation ausländischer Juden und später auch bei der Deportation französischer Staatsbürger.


Wannseekonferenz

Eine Konferenz, die am 20. Januar 1942 in der Villa am Wannsee in Berlin einberufen wurde, um die Ausführung der „Endlösung" zu koordinieren. Die Konferenz wurde auf die Initiative Reinhard Heydrichs einberufen, und es wurden zu ihr die leitenden Beamten der Regierungsstellen bestellt. In der Konferenz wurde von elf Millionen Juden in Europa gesprochen, auf die die „Endlösung" angewendet werden müsse. Ein großer Teil der Konferenz wurde der Frage des Schicksals von mit „Ariern" verheirateten Juden und ihren Nachkommen gewidmet.


Yad Vashem

Nationale israelische Gedenkstätte in Jerusalem. Dort wird an die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust erinnert. Auf dem Gelände befinden sich unter anderem ein großes Museum, mehrere Archive und ein Forschungs- und Bildungszentrum, in dem zum Holocaust geforscht wird und Fortbildungsseminare stattfinden.


Zigeuner

Im allg. Sprachgebrauch benutzter Oberbegriff für die Volksgruppen der Roma, Sinti und Jenische, die als „fahrendes Volk" durch Europa zogen. Von den Nationalsozialisten wurden auch die Zigeuner verfolgt, wenn auch nicht so systematisch wie die Juden.


Zionismus

Nationalbewegung des jüdischen Volkes mit dem Ziel der Rückkehr der Juden ins Land Israel. Der Zionismus betrachtet die über die Welt verstreuten Juden als ein Volk, nicht nur als Religionsgemeinschaft. Damit das jüdische Volk in Frieden leben kann, braucht es demnach ein eigenes Land, welches sich die Zionisten im damaligen Palästina vorstellten.